Peter Maffay: "Das Zeitfenster wird kleiner"

Dresden - Seine Haut wirkt ledriger, die Falten tiefer, doch im Gesicht von Peter Maffay (70) leuchten hellwache Augen, unterm Pulli spannt ein durchtrainierter Oberkörper.

TAG24-Redakteur Heiko Nemitz im Gespräch mit dem Rockmusiker.
TAG24-Redakteur Heiko Nemitz im Gespräch mit dem Rockmusiker.  © Eric Münch

Eigentlich lebt Deutschlands erfolgreichster Rockmusiker ganz entspannt im Hier und Jetzt, hat ein gleichnamiges Buch über seine persönliche Vision einer besseren Zukunft vorgelegt und freut sich auf seine Jubiläumstour. Wenn da nicht diese Sache mit dem Dresdner SemperOpernball wäre.

Etliche Stargäste hatten dem Ball wegen der Verleihung des St. Georgs Ordens an den ägyptischen Autokraten El-Sisi den Rücken gekehrt, doch einfach absagen, das ist Maffays Sache nicht.

Er hat Ballchef Hans-Joachim Frey zum Handeln aufgefordert und offenbar erreicht, dass der Preis wieder aberkannt wird. Nur unter dieser Bedingung waren Maffay und seine Band bereit, Freitagabend beim Ball aufzutreten.

Dass so eine Preisverleihung auch politisch sein kann, das toleriere Maffay. Aber: "Rote Linien dürfen nicht überschritten werden." Da sei die Gesellschaft aufgefordert, demokratischen Idealen treu zu sein. Diese Haltung sei wichtig und nötig. Was aber gar nicht ginge, seien Hassbotschaften gegen andere Gäste. Maffay: "Aus der Anonymität heraus Menschen zu bedrohen, das ist Terror." Darin zeige sich eine Erosion der Gesellschaft.

Diesen rüder werdenden Ton beklagt der Sänger in seinem soeben erschienenen Buch "Hier und Jetzt", das vor allem aber um Sinnfragen des Lebens kreist, um die Werte, die unser Dasein bestimmen.

Maffay zeichnet darin sein Bild einer guten Zukunft. Es griffig zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach.

Peter Maffay geht es um Dinge wie Toleranz und Respekt

Seit 50 Jahren auf der Bühne: Peter Maffay (70) startet seine Jubiläumstour und macht sich als später Vater Gedanken um eine nachhaltige Zukunft.
Seit 50 Jahren auf der Bühne: Peter Maffay (70) startet seine Jubiläumstour und macht sich als später Vater Gedanken um eine nachhaltige Zukunft.  © Eric Münch

Maffay: "Meine Erlebnisse, meine Begegnungen mit Menschen, die durch Musik möglich waren, meine Herkunft aus Rumänien, meine Aufenthalte im Ausland, wo ich selber ja Ausländer war - all das ergibt ein Mosaik, aus dem meine Weltanschauung resultiert."

Es gehe ihm um Dinge wie Toleranz, Respekt im Umgang miteinander und Harmonie mit der Natur. Allerdings sei man angesichts der Risse in der Gesellschaft von dieser Harmonie noch weit entfernt.

Doch Maffay hat auch Hoffnung. "Grandios" findet er die "Fridays for Future"-Bewegung: "Ich glaube, eine so starke Bewegung hat es noch nie gegeben. Sie straft all jene Lügen, die sagen, Jüngere wären nicht engagiert." Der Klimawandel sei nicht weg zu diskutieren, so Maffay. "Diese drängenden Fragen dulden keinen Aufschub, das Zeitfenster wird kleiner." Man habe zwar viel Zeit verspielt, aber er sei kein Pessimist: "Das kann ich mir nicht leisten, da wäre mein Sohn nicht mit einverstanden."

Dass er sich jetzt solche Gedanken macht, hat für Maffay mehrere Gründe: "Zum einen bin ich 70 und wir spielen immer noch." Dann seien es die vielen Freunde, die ihn zum Teil seit Jahrzehnten begleiten. Der wichtigste Grund aber habe einen Namen: "Anouk, meine kleine, zauberhafte Tochter, die noch einmal alles auf den Kopf stellt." Er und seine Freundin Hendrikje, die ja auch um einiges jünger sei als er, hätten lange überlegt, ob das ginge, in diesem Alter noch mal ein Kind zu bekommen. Er glaubt, das es geht, weiß aber auch: "Meine Reise nach vorne ist kürzer."

Die Einladung zum SemperOpernball hatte Maffay überrascht und gefreut: "Als Rockband in der Oper? Das fanden wir geil." Für ihn ist der Auftritt ein Warm-up für die kommende Tour. Sie startet am 26. Februar und wird gekrönt am 7. Juni in Dresden, mit dem einzigen Open-Air-Konzert des Jahres. "Ich bin ein bisschen aufgeregt", gesteht Maffay. Seit der letzten Tour seien zwei Jahre vergangen, jetzt müssten sie sich selber beweisen, dass sie das Niveau halten können.

Maffay: "Ich hoffe, dass wir den Leuten Spaß machen und - ganz egoistisch - auch uns. Das ist es."

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