Heute wird der große Peter Schreier 80!

Peter Schreier mit Philharmonie-Intendantin Frauke Roth (48). Mit seinem Konzert unterstützt er die Finanzierung einer Orgel für den neuen Philharmonie-Konzertsaal im Kulturpalast.
Peter Schreier mit Philharmonie-Intendantin Frauke Roth (48). Mit seinem Konzert unterstützt er die Finanzierung einer Orgel für den neuen Philharmonie-Konzertsaal im Kulturpalast.

Von Jörg Schneider

Dresden - Geruhsam ging es die Tage für Peter Schreier nicht zu: Fast täglich Interviewanfragen, Dreharbeiten für eine Filmdokumentation über sein Leben und erste Partiturstudien für ein Ausnahmekonzert.

Medien und Musikwelt widmen dem Dresdner Jahrhundert-Tenor, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, gerade wieder so viel Aufmerksamkeit wie zu seinen Glanzzeiten.

Berlin Classics präsentiert in einer Box mit acht CDs und einer DVD eine Auswahl Werke, mit denen Peter Schreier Interpretationsgeschichte geschrieben hat. Mehr als 250 Platten und CD-Aufnahmen gehen auf das Konto des legendären lyrischen Tenors vom Loschwitzer Elbhang.

Ab 14. Oktober ehrt ihn das Haus Hofmannsthal in Wien mit einer Sonderausstellung. Und in seiner Heimatstadt möchte man die Musiklegende noch einmal auf der großen Bühne sehen.

Immer noch eine Passion: Dynamo- Spiele verfolgt der Musikstar gern live von der VIP-Tribüne aus, hier mit Videokamera.
Immer noch eine Passion: Dynamo- Spiele verfolgt der Musikstar gern live von der VIP-Tribüne aus, hier mit Videokamera.

„Ich habe mich gern überrumpeln lassen“, sagt Peter Schreier, der am 20. September in der Kreuzkirche Mozarts Requiem und im November einen Mendelssohn- und Mozart-Abend im Hygiene-Museum dirigieren wird. Doch das sollen gleichwohl Ausnahmen bleiben.

„Der Stress ist mir einfach zu groß, ich war mittlerweile schon sehr an ein stressfreies Leben gewöhnt“, so Schreier, der in den letzten Jahren einige gesundheitliche Hürden zu nehmen hatte, darunter mehrere Bypassoperationen und zwei Schlaganfälle ...

„Aber inzwischen fühle mich wieder sehr gut“, sagt der gebürtige Meißner. Er hat sich reichlich Schlaf verordnet und verbringt einen überwiegend ruhigen Alltag zwischen Garten, CD-Sammlung und gelegentlichen Terminen.

Seine rund 3000 CDs sortiert er nach und nach aus, will sie fast alle verschenken. Von der wertvollen Partiturensammlung hat er sich bereits getrennt, die meisten an junge Kapellmeister verschenkt.

Peter Schreier vor der Kreuz - kirche, wo er im Kreuzchor seine Karriere begann und am 20. September das Mozart- Requiem dirigieren wird.
Peter Schreier vor der Kreuz - kirche, wo er im Kreuzchor seine Karriere begann und am 20. September das Mozart- Requiem dirigieren wird.

Die Partitur des Mozart-Requiems, das er 2001 mit der Sächsischen Staatskapelle bei Philips eingespielt hat, liegt indes wieder als Arbeitsmaterial auf seinem Schreibtisch. „Wir haben damals einen Grammy dafür bekommen, lange Jahre galt die Interpretation als exemplarisch, ich orientiere mich heute noch daran“, sagt Peter Schreier.

Nachdem er 2005 seine aktive Laufbahn als Sänger beendet hatte, fand er im Dirigieren seine neue Herausforderung.

Seine Weltkarriere hatte 1966 mit einer fulminanten Interpretation des Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ begonnen. Der damals noch weitgehend unbekannte Tenor aus der DDR verblüffte die Fachwelt bei seinem Debüt in Salzburg mit Natürlichkeit und Artikulationssicherheit. Das „Stimmwunder“ wurde zum Exportschlager und war in Folge 25 Jahre lang Stammgast des prestigeträchtigen Festivals.

Mit Oper habe er heute aber „nichts mehr am Hut“, sagt Schreier. Der „Regiezirkus“ interessiere ihn zunehmend weniger.

Ohne Musik mag Peter Schreier nicht sein - hier am Flügel in seinem Musikzimmer. Aber den Gesang vermisst er nicht.
Ohne Musik mag Peter Schreier nicht sein - hier am Flügel in seinem Musikzimmer. Aber den Gesang vermisst er nicht.

Vor allem zum Liedgesang fühlt sich der einstige Kruzianer nach wie vor hingezogen, arbeitet in Gremien wie der Stuttgarter Hugo-Wolf-Vereinigung mit und gibt Interpretations- und Meisterkurse.

„Ich reise aber eigentlich gar nicht mehr so gern - zu anstrengend“, sagt Schreier. Selbst sein Ferienhaus auf den Kapverden, in dem er mit seiner Frau Renate in den vergangenen Jahren sonnige Winter verbrachte, steht nun zum Verkauf.

Die meiste Kraft zieht der einst auf den renommiertesten Konzertpodien der Welt gefeierte Künstler heute aus seiner Familie und engen Freundschaften, die sich seit der Schulzeit als Kruzianer erhalten haben.

Auch die Geburtstagsfeier findet im engen Kreis statt: die Familien seiner Söhne Torsten und Ralf mit den mittlerweile sieben Enkeln und vier alte Freunde aus dem Kreuzchor.

Fotos: Thomas Türpe, Ove Landgraf, dpa, Thomas Schmidt


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