Peter Tschentscher (SPD) im TAG24-Interview: Bürgermeister will HVV weiter ausbauen

Hamburg - Die Bürgerschaftswahl in Hamburg steht am Sonntag bevor. Was wollen die Spitzenkandidaten der Parteien? TAG24 bat Peter Tschentscher (54) von der SPD um ein Interview.

Peter Tschentscher ist seit 2018 Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg.
Peter Tschentscher ist seit 2018 Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg.  © Christian Charisius/dpa

Der Sozialdemokrat ist erst seit Ende März 2018 Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg. Zuvor war Tschentscher unter dem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz sieben Jahre Finanzsenator, bis dieser als Finanzminister in die Bundesregierung wechselte und das Amt abgab. Für den 54-Jährigen ist es die erste Wahl als Spitzenkandidat.

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.

TAG24: Warum sind Sie Politiker geworden?

Peter Tschentscher: Ich war schon immer politisch interessiert und bin über die Jusos zur SPD gekommen. Bis vor neun Jahren habe ich als Oberarzt im Universitätsklinikum gearbeitet.

Daneben war ich aber immer auch politisch in der SPD aktiv, zuerst in Hamburg-Nord und ab 2008 als Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft.

Schwarz-Grün hat unsere Stadt damals extrem heruntergewirtschaftet, fast nichts funktionierte mehr. 2011 hatte ich dann die Möglichkeit, Mitglied des Senats zu werden und unsere Stadt wieder auf Kurs zu bringen. Dafür habe ich meinen Beruf als Mediziner aufgegeben.

TAG24: Wieso sollte man Sie wählen?

Hamburg geht es heute wieder gut. Wir haben kostenlose Kita-Plätze geschaffen, eine kostenlose Ganztagsbetreuung an den Schulen eingeführt, mit einem aktiven Wohnungsbau den starken Anstieg der Mieten gestoppt und vieles mehr.

Hamburg ist wieder in Bewegung gekommen und entwickelt sich bestens, in der Wirtschaft, der Kultur und der Wissenschaft. Die SPD macht Visionen zur Realität. Unser Regierungsprogramm ist ambitioniert, aber wir versprechen nicht nur, wir liefern auch.

Hamburg soll so schnell wie möglich klimaneutral werden

Peter Tschentscher begeht die "Neue Mitte Altona". (Archivbild)
Peter Tschentscher begeht die "Neue Mitte Altona". (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

TAG24: Was ist das Wichtigste, das Sie in der letzten Legislaturperiode für Hamburg erreicht haben?

Wir haben vieles erreicht. Mit der Sanierung unseres Haushalts haben wir die Grundlage für neue Investitionen geschaffen und wir entlasten kommende Generationen von einem großen Schuldenberg.

Wir haben das Fernwärmenetz zurückgekauft und setzen nun ein Betriebskonzept um, das unabhängig von der Kohle ist.

Besonders wichtig war es, die frühe Bildung in den Kitas und den Schulen zu verbessern und durch den Bau vieler neuer Wohnungen den starken Anstieg der Mieten zu stoppen.

Das Wichtigste für die Politik der SPD ist, dass alle das Beste für sich im Leben erreichen können. Dazu gehören vor allem gute Chancen für junge Leute und eine bezahlbare Stadt.

TAG24: Verkehr, Klimaschutz, Wohnen und Bildung - es sind viele Themen, die die Hamburger beschäftigen. Welches Problem würden Sie als Erstes anpacken und wie?

Alles hängt mit allem zusammen. Deshalb müssen wir zum Beispiel den Klimaschutz mit einer weiterhin starken Wirtschaft verbinden. In unserem Klimaplan sind 400 konkrete Maßnahmen, die wir umsetzen werden, damit Hamburg so schnell wie möglich klimaneutral wird.

Ein wichtiger Beitrag ist der massive Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit vielen neuen U- und S-Bahnen, neuen Haltestellen und neuen Buslinien. Alle, die auf Bus und Bahn umsteigen, machen Straßenraum frei für Fußgänger, Radfahrer und diejenigen, die noch mit dem Auto fahren wollen oder müssen.

Zeichen stehen auf Fortsetzung von rot-grünem Bündnis

SPD und Grüne regieren gemeinsam in Hamburg. Dabei scheinen sich Peter Tschentscher (links) und Katharina Fegebank gut zu verstehen. (Archivbild)
SPD und Grüne regieren gemeinsam in Hamburg. Dabei scheinen sich Peter Tschentscher (links) und Katharina Fegebank gut zu verstehen. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

TAG24: Wo steht Hamburg im Jahr 2030? Wie sieht die Stadt dann aus?

Ich möchte, dass das Leben in Hamburg auch 2030 für alle bezahlbar ist. Deshalb setzen wir den Wohnungsbau fort und investieren in den öffentlichen Nahverkehr.

Wir wollen den Hamburg Takt einführen. Das bedeutet: überall in Hamburg soll man innerhalb von fünf Minuten ein Angebot des öffentlichen Nahverkehrs erreichen können.

Wir werden 2030 in einer Stadt leben mit hoher Lebensqualität, die wirtschaftlich stark ist, in der die Luft sauber und die Energieversorgung klimafreundlich ist und in der sich alle das Wohnen und Leben leisten können.

TAG24: Den aktuellen Meinungsumfragen zufolge sieht es nach mehreren Koalitionsmöglichkeiten aus. Mit wem würden Sie nach der Wahl gerne regieren?

Erstens ist es unser Ziel, stärkste Partei im Senat zu bleiben und den Ersten Bürgermeister zu stellen. Zweitens sage ich: Rot-Grün ist eine sehr naheliegende Option. Aber es kommt es entscheidend darauf an, was am Ende im Koalitionsvertrag steht.

In Hamburg funktioniert vieles besser, als anderswo. Das liegt daran, dass wir die Dinge auch zu Ende denken und dabei die ganze Stadt im Blick haben.

TAG24: Herr Tschentscher, wir danken Ihnen für dieses Interview!

Weitere Interviews zur Bürgerschaftswahl

TAG24 bat alle Spitzenkandidaten der in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien um Interviews. Außerdem ist bisher erschienen:

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg findet am Sonntag, 23. Februar, statt. Wenn Ihr noch unentschlossen seid, wem Ihr Eure Stimmen geben sollt, kann Euch der Wahl-O-Mat helfen.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa


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