Über 100 Stück! Dieser Freitaler hortet Pflaumentoffel

Roland Hanusch (66) hortet in Freital massenhaft Pflaumentoffel.
Roland Hanusch (66) hortet in Freital massenhaft Pflaumentoffel.  © Norbert Neumann

Freital - Einen Pflaumentoffel hat wohl fast jeder Sachse schon mal besessen: Roland Hanusch (66) hat sie zuhauf. Der pensionierte Mathe-Lehrer hat über hundert der Figuren in seinem Bestand und gilt als absoluter Experte auf diesem Gebiet.

Im Museum in Neustadt/Sachsen stehen die Vitrinen voller Pflaumentoffel, im Schloss Burgk in Freital ebenso - doch das wahre Zuhause ist der Keller von Roland Hanusch: "Man muss sie trocken lagern, dann halten die sich ewig", so der Sammler.

"Einmal ist es mir passiert, dass ein paar den Lebensmittelmotten zum Opfer gefallen sind." Der eine Ausrutscher ist jedoch verkraftbar, Hanusch ältester Pflaumenmann ist schon seit 41 Jahren wohlauf.

Bei der Nürnberger Version des Pflaumentoffel gibt es auch Damen.
Bei der Nürnberger Version des Pflaumentoffel gibt es auch Damen.  © Norbert Neumann

Insgesamt sind es über hundert Stück, wobei sich das aber ständig ändert. Aber warum das Ganze?

"Als Lehrer musste ich mich in den 80ern um das Museum in Freital kümmern", sagte er. "1984 planten wir dann eine Ausstellung zu Weihnachtsfiguren, auch auch zum Pflaumentoffel."

So begann der Freitaler zu forschen, hat mittlerweile mehrere Ordner voll mit Quellen zur Geschichte der schwarzen Süßigkeit (siehe Kasten). "Aber auch die Figuren selbst begann ich zu sammeln und nachzubauen", sagt er.

Neben den Figuren kamen noch kleine Statuen, Plakate, Bilder und Fotos des Weihnachtsschmucks hinzu. Auch zwei Bücher hat Hanusch mittlerweile zum Thema geschrieben.

Erinnerung an erlaubte Kinderarbeit in Kursachsen

Der süße Pflaumentoffel hat einen gar nicht mal so süßen Hintergrund. Viel mehr ist er ein Vermächtnis knallharter Kinderarbeit aus dem 17. Jahrhundert.

"Nach kurfürstlich-sächsischer Erlaubnis durften ab 1653 Schornsteinfeger siebenjährige Knaben einstellen", erklärt Experte Roland Hanusch.

"Diese mussten die Esse hochkriechen und kehren." Deshalb waren die ersten Pflaumentoffel auch kahlköpfig, hatten einen Besen und kindliche Proportionen. Erst mit der Zeit wurden die Figuren dann zu erwachsenen Schornsteinfegern.

Ihre Beliebtheit ergab sich daraus, das Backpflaumen lange Zeit die einzige erschwingliche Süßigkeit für das Volk waren.

Das blieb mitunter bis in die Neuzeit so: Der erste Pflaumentoffelstand auf dem Striezelmarkt nach dem zweiten Weltkrieg brauchte Polizeischutz, weil die Figuren die einzigen Süßigkeiten waren, die es ohne Lebensmittelmarken gab.


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