Gnadenlose Abrechnung von ehemaligem Nationalspieler! "So falsch" ist der Profifußball

Wadern - Er spielte in der Bundesliga unter anderem für Bayer 04 Leverkusen, den FSV Mainz 05 und den VfL Wolfsburg. Sammelte Minuten in der französischen Ligue 1 und erfüllte sich mit der Unterschrift bei Stoke City das, wovon so viele Kinder täglich träumen: in der englischen Premier League spielen.

Seine ersten Bundesliga-Minuten sammelte der Innenverteidiger beim 1.FC Nürnberg. Hier im Duell gegen Bayern-Legende Arjen Robben.
Seine ersten Bundesliga-Minuten sammelte der Innenverteidiger beim 1.FC Nürnberg. Hier im Duell gegen Bayern-Legende Arjen Robben.  © David Ebener dpa/lby

Jetzt ist er 30 Jahre alt, beendete vor zwei Jahren mit nur 28 seine Karriere, ohne dies wirklich offiziell zu verkünden. Nun rechnet Philipp Wollscheid gnadenlos mit dem Profi-Fußball ab.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur fällt sein Urteil über das Geschäftsmodell Fußball deutlich aus: "Das Geschäft im allgemeinen ist einfach falsch", so der gebürtige Waderner.

"An einem Tag wird man von allen in den Himmel gelobt, am nächsten ist man dann nicht mehr gut genug", beschreibt er die Praktiken im Haifischbecken Profi-Fußball.

Er habe "dieses Auf und Ab nie gut ausgehalten", so der 1,94 Meter große Innenverteidiger, der es 2013 bei den Spielen gegen Ecuador und den USA unter Joachim Löw (59) sogar zu insgesamt 46 Minuten in der deutschen Nationalmannschaft brachte.

Überhaupt habe ihm der Fußball zwar Spaß gemacht und er habe ihn "immer geliebt", doch es war "für mich die meiste Zeit über einfach nur ein Job", gibt er unumwunden zu. Besonders "das dauerhafte Unterwegssein, Trainingslager und die Entfernung von Partner, Familie und Freunden" hätten ihm zugesetzt.

"Es sieht von außen so aus, weil man viel Geld verdient und viel Anerkennung bekommt", doch das sei bei weitem nicht das Wichtigste. Für Wollscheid hat es sich "nie wirklich wie ein Traum angefühlt".

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Auch ohne Profi-Vertrag: Philipp Wollscheid hat dennoch noch Spaß am Fußball. Hier bei einem DFB-All-Star-Spiel in Fürth Anfang Oktober.
Auch ohne Profi-Vertrag: Philipp Wollscheid hat dennoch noch Spaß am Fußball. Hier bei einem DFB-All-Star-Spiel in Fürth Anfang Oktober.  © Daniel Karmann/dpa

Im Januar 2018 löste Wollscheid seinen Vertrag beim FC Metz in der Ligue 1 nach nur einer halben Saison und ohne Einsatzminute wieder auf.

Still und heimlich und durch die Hintertür verließ er dann die Bühne Profi-Fußball. In der Rückrunde 2018/19 spielte er dann noch einmal für den Verbandsligisten FC Noswendel/Wadern.

Seither absolviert er erfolgreich ein Sportmanagement-Studium in St. Gallen und auf Schalke und kandidiert für ein Führungsamt beim Saarländischen Fußball-Verband.

Abgeschlossen mit dem Profi-Fußball hat er jedoch scheinbar nur als aktiver Spieler. "Ich will es anders machen", begründet er seine Entscheidung, später Trainer oder Funktionär werden zu wollen und einiges besser zu machen als die Übungsleiter, die er als Spieler miterlebt habe.

"Ich will - wie einige wenige, die ich hatte - der Trainer sein, der die Spieler aufrichtig und korrekt behandelt."

Neben den 115 Bundesliga-Partien machte Wollscheid 45 Premier-League-Spiele. Darüber hinaus lief er für Bayer Leverkusen sogar vier Mal in der Königsklasse auf.

Wollscheid mit Yannick Gerhardt (li.) und Ex-Nationalspieler Mario Gomez (re.) im Trikot der Wölfe. Mit Wolfsburg musste er 2016/17 das zweite Mal nach 2009/10 (damals mit dem 1.FC Nürnberg) in die Relegation um den Liga-Verbleib im deutschen Oberhaus.
Wollscheid mit Yannick Gerhardt (li.) und Ex-Nationalspieler Mario Gomez (re.) im Trikot der Wölfe. Mit Wolfsburg musste er 2016/17 das zweite Mal nach 2009/10 (damals mit dem 1.FC Nürnberg) in die Relegation um den Liga-Verbleib im deutschen Oberhaus.  © Peter Steffen/dpa

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