Für Anwohner bleibt die explodierte Chemie-Fabrik ein Pulverfass

Chemie-Unfall in Pirna-Neundorf. Das ganze Ausmaß nach der tödlichen Explosion vor genau zwei Jahren. Erst ein Teil der Anlage ist wieder in Betrieb.
Chemie-Unfall in Pirna-Neundorf. Das ganze Ausmaß nach der tödlichen Explosion vor genau zwei Jahren. Erst ein Teil der Anlage ist wieder in Betrieb.  © Daniel Förster

Pirna – Es war eine Tragödie! Vor genau zwei Jahren flog in Pirna Neundorf die Chemiefabrik in die Luft - ein Mann starb, Trümmer flogen durchs Dorf, Wohnhäuser wurden beschädigt. Anwohner fordern bis heute die Schließung. Doch fest steht: Die Fabrik bleibt.

Die Anwohner sind ernüchtert! Seit zwei Jahren kämpfen sie für die Schließung der Fabrik "Schill + Seilacher", sammelten 300 Unterschriften, schickten diese an den Landtag und sogar ans Europäische Parlament in Brüssel. Allein: Genützt hat es nichts. Die EU verwies auf die Zuständigkeit des Landes. Und der Landtag schreibt, es bestehe "keine Gefährdung" mehr für die Nachbarhäuser.

"Ein Unding", klagt Anwohner Tilo Keil (44). Er wohnt nur 30 Meter von der Fabrik entfernt. "Wir leben in Angst." Schon fünf Mal schrillten wieder die Sirenen, rückte ein Großaufgebot der Feuerwehr an. 

"Dann schauen wir verängstigt rüber", berichtet Nachbarin Marion Schütze (46). "Zum Glück war es jedes Mal Fehlalarm."

Für die Anwohner bleibt die Fabrik ein Pulverfass. Sie befürchten, dass die restlichen drei von fünf Anlagen wieder in Betrieb gehen, sobald die Staatsanwaltschaft ihr Verfahren abgeschlossen hat. 

Nachdem die Petitionen gescheitert sind, wollen sie zumindest erreichen, dass nicht alles wird wie zuvor. Autohändler Thomas Huth (44): "Wir fordern, dass wenigstens keine explosiven Anlagen mehr in Betrieb gehen."

Fabrik-Geschäftsführer Uwe Dittrich bleibt hingegen wortkarg: "Wir sehen momentan keinen Redebedarf."

300 Anwohner unterzeichneten eine Petition an den Landtag. Tilo Keil (44) ist von der Antwort enttäuscht. 
300 Anwohner unterzeichneten eine Petition an den Landtag. Tilo Keil (44) ist von der Antwort enttäuscht.  © Daniel Förster
Eine Petition mit 100 Unterschriften richtete Unternehmer Thomas Huth (44) an das Europäische Parlament. Brüssel sollte die Schließung der Fabrik prüfen. 
Eine Petition mit 100 Unterschriften richtete Unternehmer Thomas Huth (44) an das Europäische Parlament. Brüssel sollte die Schließung der Fabrik prüfen.  © Daniel Förster

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