Warum hängen plötzlich überall solche blauen Plakate?

Die Plakate sind Teil des Kunstprojekts "Hidden Voices - Versteckte Stimmen".
Die Plakate sind Teil des Kunstprojekts "Hidden Voices - Versteckte Stimmen".

Dresden - Plötzlich ist die ganze Stadt mit diesen leuchtend blauen Plakaten und bewegenden Sprüchen gepflastert. Doch die Geschichte dahinter sorgt für noch mehr Aufsehen.

"Mensch ist Mensch", "Sie sollten beachtet werden" oder "Sie sollten Freiheit kriegen" heißt es auf den Plakaten. Doch diese Sprüche stammen nicht von Politikern oder Werbetextern, sondern schlicht und ergreifend von Kindern.

Wie die DNN erfuhr, gehören die Wände zum Kunstprojekt "Hidden Voices - Versteckte Stimmen". Dieses wurde von der riesa-efau-Mitarbeiterin Denise Ackermann und der auf Plakatkunst spezialisierten Dresdner Künstlerin Lucie Freynhagen im Frühjahr erschaffen.

Die Aktion dient als Ergänzung für die Veranstaltungsreihe des riesa efau "Tischgespräche und Stammtischparolen", welche in diesem Jahr stattfand.

Die Zitate stammen von Grund- und Oberstufenschülern.
Die Zitate stammen von Grund- und Oberstufenschülern.

Zur Intention des Projekts sagte Ackermann gegenüber der DNN: „Wir wollen Personen, die nicht am öffentlichen Diskurs teilhaben können, eine Stimme geben."

Die Zitate hat eine Dresdner Lehrerin gesammelt, deren Schüler die Themen Flüchtlinge und Zukunftsängste stark beschäftigten.

Auch Ackermann und Freynhagen sammelten Statements, sowohl von Grund- als auch von Oberstufenschülern.

Ackermann verriet der DNN auch ihr Lieblingszitat: "Keine Angst haben. Das ist so zauberhaft, wie spontan das genannt wird. Die Statements sind in ihrer Klarheit so wunderbar – so kann man selbst manchmal gar nicht mehr denken.“

Die Betrachter der Plakate sollten jedoch nicht sofort merken, dass die Sprüche von Kindern stammen. Denn dann würden einige die Botschaft vielleicht nicht ernst nehmen.

Daher suchten die beiden Frauen im Großen Garten nach "Handschriftenpaten", die die Zitate aufschreiben sollten.

„Die Reaktionen waren überwiegend positiv, aber gleich bei den ersten vier Personen bekamen wir drei Ablehnungen. Das muss man akzeptieren, aber ernüchternd fand ich, dass die Neins meist ohne jede Begründung kamen“, so Ackermann, „Ein Mann hatte aber auch Tränen in den Augen und sagte: Das ist total wichtig, was Sie machen.“

Bei der Gestaltung der Plakate setzten die Frauen auf einen blauen Hintergrund, denn es sollte eine freundliche Farbe sein, die man in der Werbung nicht so häufig sieht um die Aufmerksamkeit zu steigern.

Bei Druck und Plakatierung wurden sie von einer Dresdner und einer Radebeuler Firma, sowie einer Stiftung unterstützt.

„Es war uns wichtig, dass die Sprüche um den Pegida-Geburtstag herum öffentlich gezeigt werden“, erklärt Ackermann.

Noch bis zum 31. Oktober sollen die Plakate hängen. Außerdem wird ab Mittwoch im Hof der Friedrichstädter „Motorenhalle“ eine leere Wand aufgestellt.

Dort sollen während der neuen Ausstellung „Wo gehen wir hin“ alle Zitate abgebildet werden.

Das Projekt kommt bei vielen Dresdnern super an, ein Plakat in Prohlis wurde jedoch leider schon beschmiert.

Noch bis zum 31. Oktober zieren die Plakate Dresdens Straßen.
Noch bis zum 31. Oktober zieren die Plakate Dresdens Straßen.

Fotos: Ove Landgraf


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