Plan B für die Energiewende: Sachsen macht Dampf beim Wasserstoff

Dresden - Energiewende 3.0: Alle reden über Elektromobilität, aber Experten sehen "grünen" Wasserstoff als den Energieträger der Zukunft. Laut dem Bundeswirtschaftsminister schlummert Auftragspotenzial im Wert einer halben Billion (!) Euro in dieser Technik. Sachsen mischt längst mit beim Sprung ins neue Energiezeitalter.

Will Sachsen zum "Wasserstoff-Land" entwickeln: Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) beim Besuch der Firma FES in Zwickau.
Will Sachsen zum "Wasserstoff-Land" entwickeln: Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) beim Besuch der Firma FES in Zwickau.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Fragt man Wirtschaftsminister Martin Dulig (47, SPD), lautet die Antwort "Ja". "Wir setzen uns für den Aufbau einer sächsischen Wasserstoffindustrie ein", so Dulig bereits im Sommer. Der Freistaat soll zu einer Energieregion der Zukunft entwickelt werden.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit laufen bereits vielfältige Projekte in Wirtschaft und Forschung. In Zwickau baut Christian Schwamberger von der Firma FES mit 800 Mitarbeitern seit 2016 auch Brennstoffzellensysteme für Fahrzeugantriebe.

Stammt der dafür benötigte Strom von Wasser, Wind oder Sonne, läuft die Energiegewinnung CO2-frei, also klimaneutral. Dann spricht man auch von "grünem Wasserstoff". 

Er lässt sich einfach speichern und später in Strom umwandeln. Vorreiter ist dabei die Dresdner Firma Sunfire. 

Bis 2050 braucht es Investitionen von bis zu 470 Milliarden Euro

CO2-neutrale Brennstoffzellenfahrzeuge wie der Hyundai Nexo haben (noch) ein Problem: Wasserstofftankstellen sind rar. In Sachsen gibt es drei davon.
CO2-neutrale Brennstoffzellenfahrzeuge wie der Hyundai Nexo haben (noch) ein Problem: Wasserstofftankstellen sind rar. In Sachsen gibt es drei davon.  © imago images/Jochen Eckel

In der Landeshauptstadt arbeitet Linde, einer der weltgrößten Wasserstoffanbieter, an einer Infrastruktur für Wasserstofftankstellen.

Mit Dresden, Leipzig und seit Kurzem Meerane gibt es in Sachsen bisher drei solcher Tankstellen. An der Bergakademie Freiberg, bei Siemens in Görlitz oder an den Unis Leipzig und Dresden laufen Forschungen.

Die Summen, die jetzt schon in den energetischen Vorzeichenwechsel fließen, sind gigantisch. Allein über das Netzwerk HYPOS (119 Mitglieder, 37 aus Sachsen) flossen nach eigenen Angaben seit 2013 rund 80 Millionen Euro. 

Aber das sind kleine Fische. Bis 2050 bedarf es weiterer Investitionen von bis zu 470 Milliarden Euro, wie es bei einer Online-Konferenz auf EU-Ebene mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) am Montag hieß.

Sachsen befindet sich schon mitten in der Energiewende

Laut Sylvia Schattauer vom Fraunhofer-Institu Halle/Saale sollten bestenfalls alle Länder an einer gemeinsamen Lösung für die Energiewende arbeiten.
Laut Sylvia Schattauer vom Fraunhofer-Institu Halle/Saale sollten bestenfalls alle Länder an einer gemeinsamen Lösung für die Energiewende arbeiten.  © Eric Münch

Die Bundesregierung hat bereits eine "Nationale Wasserstoffstrategie" verabschiedet. Kommt Sachsen mit seiner Strategie zu spät? 

Sylvia Schattauer vom Fraunhofer-Institut Halle/Saale und Mitglied im nationalen Wasserstoffrat warnt vor Alleingängen. 

Beim Wasserstoff-Forum in Meinsberg (Kreis Mittelsachsen) sagte sie kürzlich: "Was nicht hilft, ist, wenn jedes Land eine eigene Strategie fährt." 

Vorpreschen ist also keine Lösung - Abstimmung dagegen schon. Sachsen ist dabei mittendrin.

Titelfoto: imago images/Jochen Eckel

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