Undercover-Boss aus Plauen recherchiert als Obdachloser

Bernd Erdmann, wie ihn alle kennen.
Bernd Erdmann, wie ihn alle kennen.  © Ellen Liebner

Plauen/Leipzig - Ein Diebstahl ist immer ärgerlich. Erst recht, wenn es das halbe Leben ist, das fehlt - geklaut als mühsam zusammengetextete Biografie auf einem Computer.

Einen Plauener Firmenchef trieb die Suche nach dem Diebesgut sogar in die Unterwelt, verkleidet als Obdachloser - ein „Undercover-Boss“, sozusagen. Jetzt, Wochen später, hat er endlich eine Spur.

Bernd Erdmann (54) baut Luxussaunen für Reiche und Hotels. Die Präsidentensuite im Berliner Adlon hat er bestückt; auch einen neuen „Schwitzkasten“ für RB Leipzig setzt er um.

Doch dem Unternehmer (15 Mitarbeiter) ging‘s nicht immer gut. „Zu DDR-Zeiten saß ich aus politischen Gründen im Knast“, sagt er. Später, bei seinen Lehr- und Wanderjahren im Westen, schlief er vier Jahre lang im Wohnwagen.

In diesen abgewetzten Klamotten, natürlich unrasiert, ging Firmenchef Bernd 
Erdmann (54) tatsächlich als Bettler durch.
In diesen abgewetzten Klamotten, natürlich unrasiert, ging Firmenchef Bernd Erdmann (54) tatsächlich als Bettler durch.

„Vielleicht verbreite ich deshalb jetzt mit meinen Saunen Wärme und Wohlbefinden“, meint Erdmann, der sich nach einem Autoaufbruch im Dezember gar nicht mehr wohl fühlt.

„Das war in Leipzig, ich hatte einen Geschäftstermin.

Die Diebe haben mein iPad geklaut - und darauf war doch die Geschichte meines Lebens.“

Diese Memoiren wollte Erdmann eigentlich als Buch herausbringen - was also tun?

Zuerst teilte er sein Missgeschick über Facebook mit. Dann setzte er ein „Lösegeld“ aus:

1000 Euro, damit der Dieb das iPad zurückgibt (inzwischen stockten Freunde und Bekannte auf 2600 Euro auf).

Mit eingeschlagener Seitenscheibe fand der Saunabauer seine Mercedes E-Klasse 
vor.
Mit eingeschlagener Seitenscheibe fand der Saunabauer seine Mercedes E-Klasse vor.

Und Erdmann lieh sich von einem Handwerker alte, verschlissene Klamotten, bettelte auf der Leipziger Einkaufsstraße und hörte sich so bei Obdachlosen nach möglichen Hehlern um.

Tagelang. „Dabei habe ich tolle Geschichten gehört.

Die Bettler selbst sind ja ehrlich. Und das erhaltene Geld spende ich doppelt für einen guten Zweck.“

Das alles war kurz vor Weihnachten. Doch erst diese Woche bekam der Undercover-Boss einen echten Tipp - eine „lauwarme Spur“, wie er meint.

Zu früh freuen will Erdmann sich zwar nicht, „doch es kann sein, dass ich nächste Woche noch mal nach Leipzig fahre“, kündet er nebulös an. Möglich, dass sich sein Einsatz dann tatsächlich gelohnt hat.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0