"Polarstern"-Expedition kämpft in der Arktis mit unerwarteten Problemen

Bremerhaven - Auf diese unfreiwillige Verlängerung eines Aufenthalts in der Arktis hätten viele wohl gerne verzichtet.

Expeditionsteilnehmer gehen in Richtung des Forschungsschiffs "Polarstern".
Expeditionsteilnehmer gehen in Richtung des Forschungsschiffs "Polarstern".  © Michael Gutsche/Alfred-Wegener-Institut Helmholt/d

Mit rund zweiwöchiger Verzögerung hat der russische Eisbrecher "Kapitan Dranitysn" das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" erreicht - rund 150 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Noch nie habe es ein Schiff zu dieser Jahreszeit aus eigenem Antrieb so tief in die zentrale Arktis geschafft, sagte Expeditionsleiter Markus Rex am Montag.

Der Kapitän des Versorgungsschiffes habe mit dieser Leistung große Kompetenz bewiesen. "Wir sind an der Grenze des Machbaren", betonte Rex.

Die "Polarstern" driftet derzeit im Rahmen der "Mosaic"-Expedition ein Jahr durch die Arktis, angedockt an einer riesigen Eisscholle.

Die 83 Wissenschaftler an Bord werden alle zwei Monate ausgetauscht. Dichtes Meereis hatte jedoch zuletzt ein zügiges Vorankommen der "Kapitan Dranitsyn" verhindert und den Personalwechsel verzögert.

Das hatte zu Verstimmungen von einigen Menschen an Bord der "Polarstern" geführt. Rex betonte dagegen, die Verspätung sei im Rahmen seiner Erwartungen gewesen: "Unser Konzept ist aufgegangen."

Schiffe liegen rund einen Kilometer auseinander

Das Versorgungsschiff "Kapitan Dranitsyn" (im Vordergrund) ist zur "Polarstern" vorgedrungen.
Das Versorgungsschiff "Kapitan Dranitsyn" (im Vordergrund) ist zur "Polarstern" vorgedrungen.  © Steffen Graupner/Alfred-Wegener-Institut/dpa

Seit der Ankunft der "Kapitan Dranitsyn" an der Eisscholle werden frische Lebensmittel und neue wissenschaftliche Ausrüstung zur "Polarstern" gebracht. Bis alles Material an Bord sei, werde es noch Tage dauern, da beide Schiffe rund einen Kilometer voneinander entfernt lägen.

Geräte müssten mit Kränen von Bord gehievt werden, für den Shuttle werden Pistenraupen und Schneemobile eingesetzt. Bei Temperaturen von minus 35 Grad Celsius kämen die Geräte an ihre Grenzen.

"Man muss vorsichtig und langsam vorgehen", sagte Rex. Die Lebensmittel müssten in beheizten Containern transportiert werden.

Voraussichtlich am Dienstag bricht in Russland ein Eisbrecher auf, um der "Kapitan Dranitsyn" auf ihrem Rückweg entgegenzufahren. Das Versorgungsschiff hatte aufgrund des dichten Meereises mehr Energie verbraucht als erwartet.

Nun muss es unterwegs mit Treibstoff versorgt werden. Da das Meereis in den kommenden Wochen noch dicker wird, werden für den nächsten Personalwechsel im April Polarflugzeuge eingesetzt.

Mit Pistenraupen sei auf der Eisscholle eine Landebahn präpariert worden, so Rex.

Titelfoto: Steffen Graupner/Alfred-Wegener-Institut/dpa

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