Polens Super-Verkehrstunnel: Schnelle Lösungen oder Usedom versinkt im Endlos-Stau

Usedom/Schwinemünde - Usedom gilt seit Jahrzehnten als Magnet vor allem für Besucher aus Berlin und den anderen ostdeutschen Bundesländern. Viele von ihnen stehen vor allem in der Hauptsaison regelmäßig auf den einzigen beiden Zufahrtstraßen B110 und B111 auf die Ostseeinsel im Stau. Nun baut Polen einen Tunnel unter der Swine und auf deutscher Seite fehlen die Ideen, das dadurch entstehende Verkehrsaufkommen aufzufangen (TAG24 berichtete). Schnelle Lösungen müssen nun her.

Vor der Peenebrücke von Wolgast auf der Insel Usedom stehen Fahrzeuge im Stau.
Vor der Peenebrücke von Wolgast auf der Insel Usedom stehen Fahrzeuge im Stau.  © Stefan Sauer/dpa

Zwei Brücken, einspurig pro Fahrtrichtung und vor allem im Sommer für viele Autofahrer der Urlaubskiller. Die Fahrt nach Usedom wird immer mehr zur Gedulds- und Zerreißprobe.

Der Frust ist groß. Linke und AfD haben dem Verkehrsministerium und den Regierungsfraktionen Anfang Dezember Konzeptlosigkeit bei der Lösung der Verkehrsprobleme auf der Insel Usedom vorgeworfen.

Mignon Schwenke (64), verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, appellierte an die Landesregierung, schnell Lösungen zu finden, damit die Gemeinden auf der Insel nicht ihrem Schicksal zu überlassen werden.

Das Land dürfe die Gemeinden auf der Insel nicht alleine lassen, sondern müsse moderierend eingreifen, um Lösungen zu finden, sagte Mignon Schwenke, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Usedom besser erschließen und entlasten, aber wie?

Die Visualisierung zeigt die geplante Brücke über den Peenestrom von Wolgsst auf die Insel Usedom.
Die Visualisierung zeigt die geplante Brücke über den Peenestrom von Wolgsst auf die Insel Usedom.  © DEGES/dpa

Es fehlen zentrale Wege auf die Insel.

Eine neue Brücke von Wolgast nach Usedom stößt derweil auf heftige Kritik seitens von Umweltschützern. Der gigantische Brückenbau bei Wolgast für mehr als 100 Millionen Euro diene nur dem Autoverkehr und löse die Verkehrsprobleme der Insel nicht, sagte erst kürzlich BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.

Die Brücke, die südlich von Wolgast über den Peenestrom führen soll, durchschneide zwei Vogelrastgebiete von internationaler Bedeutung. Dieser Eingriff sei nicht ausgleichbar, sagte Cwielag.

Im Gespräch mit dem Nordkurier brachte der Landschaftsarchitekt und Städteplaner Friedrich Reilmann aus Meiersberg bei Ueckermünde brachte indes einen "Schnellweg" von der A20 auf die Insel ins Gespräch, gerade mit Blick auf den Verkehrstunnel in Swinemünde. Damit schaffen die Polen eine attraktiverer Ost-West-Verbindung für den Schwerlastverkehr, aber gleichzeitig auch für mehr Probleme auf deutscher Seite.

Das ohnehin schon mit Autos und Lastwagen überladene Usedom würde gänzlich kollabieren. Die Folgen, gerade für den Tourismus, wären fatal.

"Schnellweg" die einzig wahre Lösung?

Ein dynamische Wegweiser mit integriertem Stausystem steht an der B111 bei Karlsburg (Mecklenburg-Vorpommern).
Ein dynamische Wegweiser mit integriertem Stausystem steht an der B111 bei Karlsburg (Mecklenburg-Vorpommern).  © Stefan Sauer/dpa

Reilmann ist von seiner Idee überzeugt, hält sich aber erstmal mit einem Vorstoß zurück. Er vertraut erstmal darauf, das seine Idee den nötigen Anstoß für eine Diskussion bringt.

Zudem konkretisiert der erfahrene Landschaftsarchitekt und Städteplaner einen möglichen Verlauf seines "Schnellwegs" nicht.

"Es gibt mehrere Varianten meines Vorschlags. Welche Variante die optimalste ist, muss am Ende eine Machbarkeitsstudie mit Schwerpunkten bei Umweltschutz und der Kostenanalyse zeigen", so Reilmann zur Zeitung.

Eine Brücke südlich von Wolgast hält auch Reilmann für nicht umweltverträglich und schließt sich damit den Kritikern an.