Sechs Gewehre gefunden! Bewaffneter Pfarrer bedroht mehrere Menschen

Czernikowo - In Polen hat ein bewaffneter Priester mehrere Demonstranten bedroht. 

In Czernikowo bedrohte ein Pfarrer Abtreibungsgegner mit einer Waffe.
In Czernikowo bedrohte ein Pfarrer Abtreibungsgegner mit einer Waffe.  © Screenshot Facebook/Monika Wróblewska

Laut dem polnischen Nachrichtenportal "Polsat News" nahmen an den derzeit landesweiten Protesten gegen das neue Abtreibungsverbot auch etwa 300 Menschen am Mittwochabend in Czernikowo im Norden Polens teil.

Das war für Priester Piotr S. (53) aus der örtlichen Pfarrei offenbar zu viel! Kurzentschlossen griff der Gottesmann zur Waffe, lief zu den Demonstranten und bedrohte sie - und die Polizisten, die die Versammlung sicherten - mit den Worten: "Ich werde sie alle erschießen!".

Dazu kam es - Gott sei Dank - nicht, denn die Beamten überwältigten den 53-Jährigen.

Einige Abtreibungsgegner filmten den Vorfall mit ihren Handykameras, die Aufzeichnungen wurden in den sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Zu hören ist, wie der Priester mit belehrender Stimme sagt: "Das soll ein friedlicher Protest sein?".  Vor allem aber sind Rufe zu hören, dass der Geistliche die Waffe weglegen soll.

Doch wieso war Pfarrer Piotr S. überhaupt im Besitz einer Waffe?

"Du sollst nicht töten"

Wie "Polsat News" weiter berichtet, fand die Polizei später sogar gleich fünf Jagdwaffen sowie ein Luftgewehr im Haus von S. Alle Waffen wurden sichergestellt.

Auch wenn in der Bibel steht "Du sollst nicht töten", so hatte der Priester doch ein ganz bestimmtes Hobby: Er ist ein Jäger! Und deshalb hat er eine Waffenlizenz. Diese werde nun jedoch überprüft, hieß es von der Polizei.

Piotr S. wurde inzwischen von seinem Amt suspendiert. Demnächst wird er sich wegen der Attacke vor Gericht verantworten müssen. Er bekannte sich bereits schuldig und bat für sein Handeln um Verzeihung. Er sei an dem Abend wegen der Proteste nervös gewesen, bekannte S. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft. 

Proteste auch am Freitag erwartet

Das polnische Verfassungsgericht hatte vor einer Woche entschieden, dass Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen des ungeborenen Kindes verfassungswidrig sind. Seit Tagen gibt es in dem streng katholischen Land deshalb Proteste. Eine Abortion wäre etwa nur noch nach einer Vergewaltigung möglich oder wenn das Leben der werdenden Mutter bedroht ist. 

Auch für den heutigen Freitag hat die Frauenbewegung wieder zum Protestmarsch in Warschau aufgerufen. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki (52) appellierte angesichts der Corona-Pandemie, die Aktion abzusagen. 

Die Organisatoren zeigten sich davon unbeeindruckt und betonten, dass Teilnehmer ohne Masken, Betrunkene und aggressive Demonstranten sofort ausgeschlossen werden.

Titelfoto: Screenshot Facebook/Monika Wróblewska

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