Geht die "taz" mit dieser Titelseite zum Tod von Helmut Kohl zu weit?

Geht die "taz" mit der Titelseite am Sonnabend zum Tod von Helmut Kohl zu weit?
Geht die "taz" mit der Titelseite am Sonnabend zum Tod von Helmut Kohl zu weit?

Berlin - Fast jede deutsche Tageszeitung hat am Sonnabend das Bild vom verstorbenen Alt-Kanzler Helmut Kohl (†87) auf dem Titelblatt. Meist ist der ehemalige CDU-Politiker groß und in grau eingefärbt abgebildet.

Einzig die "taz" macht da eine Ausnahme. Denn ihr Bild ist weder grau, noch zeigt es Kohl, noch würdigt es nach Meinung vieler Leser das Geleistete des "Einheits-Kanzlers".

Auf der Titelseite ist ein Meer von Trauerkränzen mit bunten Rosen zu sehen, darüber steht geschrieben: "Blühende Landschaften". Im Untertitel: "Ehrensache. Staatstrauer um Helmut Kohl."

Wo die "taz" oft für ideenreiche, ironische und witzige Titelseiten gelobt wird, erntet sie nun mächtig Gegenwind. Denn viele User im Netz sind völlig aufgebracht, bezeichnen die Seite als "pietätlos", "respektlos".

Eine Userin schreibt: "Man muss ihn nicht mögen. Aber das hier - das ist so unterirdisch erbärmlich und klein. Ich mag Satire und schwarzen Humor. Aber das ist unfassbar geschmacklos, da fällt einem echt alles aus dem Gesicht."

Ein User hält dagegen: "Ungefähr so haben sich auch die Menschen der ehemaligen DDR gefühlt, als sich eben dieses Versprechen des Einheitskanzlers in der brachen Landschaft zermalmter Arbeitsstätten und der damit verbundenen ebenso zermalmten Existenz in Ost-Deutschland zu Tode lief."

Der Schriftzug "Blühende Landschaften" bezieht sich auf ein Versprechen Kohls nach der Wiedervereinigung, des ostdeutschen Teil zum Leben zu erwecken. Er wollte die Ostdeutschen damit aufmuntern, doch als nach einigen Jahren von den blühenden Landschaften nichts zu sehen war, wurde der Satz von Kohl oft als Spott gebraucht.

Für einige Leser dennoch kein Anlass, den Tod von Kohl "so in den Dreck zu ziehen".


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