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Altkanzler Helmut Schmidt ist tot

Hamburg - Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Der 96-Jährige starb am Dienstagnachmittag in Hamburg, wie sein behandelnder Arzt Heiner Greten der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Helmut Schmidt (†96).
Helmut Schmidt (†96).

HamburgDer frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt ist tot. Der Sozialdemokrat starb nach Angaben seines Arztes Heiner Greten am Dienstag gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg.

Der Sohn eines Volksschullehrers war am 23. Dezember 1918 im Arbeiterviertel Barmbek der Hansestadt zur Welt gekommen.

Schmidt war von 1974 bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. In der Großen Koalition führte er von 1967 bis 1969 die SPD-Bundestagsfraktion und war danach Verteidigungs- und Finanzminister.

Den Hamburgern blieb Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis.

Zu den größten Herausforderungen in seiner Kanzlerzeit gehörten die Ölkrise in den 70er Jahren und der Kampf gegen den Terrorismus der "Roten Armee-Fraktion". Resultierend aus den Erfahrungen als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg war dem Diplomvolkswirt die europäische Einigung ein Herzensanliegen. Der SPD trat Schmidt nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft bei.

Helmut Schmidt verstarb am Dienstag in Hamburg.
Helmut Schmidt verstarb am Dienstag in Hamburg.

Als einer der ersten wies Schmidt auf die Gefahren für das Rüstungsgleichgewicht durch neue sowjetische Mittelstreckenraketen hin. Der Nato-Doppelbeschluss führte zu einer heftigen Konfrontation auch mit seiner eigenen Partei.

Im Herbst 1982 scheiterte Schmidt mit seiner sozialliberalen Koalition an Differenzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Durch ein konstruktives Misstrauensvotum wurde Helmut Kohl (CDU) am 1. Oktober 1982 zu seinem Nachfolger gewählt.

Schmidt gehörte dem Bundestag bis 1987 an. Seit 1983 war er Mitherausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit». Er schrieb zahlreiche Bücher und reiste für Vorträge um die Welt. Auch im hohen Alter waren seine Meinung und sein Rat gefragt und geschätzt. Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, seine Bücher standen wochenlang auf den Bestseller-Listen.

Seine Frau Loki, mit der 68 Jahre verheiratet war und die er seit der Schulzeit kannte, war am 21. Oktober 2010 im Alter von 91 Jahren gestorben.

Im August 2012 bekannte sich Schmidt zu Ruth Loah als neuer Gefährtin. Sie zählte schon seit Jahrzehnten zu seinen Vertrauten. Tochter Susanne Schmidt, promovierte Volkswirtin und Finanzjournalistin, lebt mit ihrem Ehemann Brian Kennedy in England.

Reaktionen:

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich: "Mit Helmut Schmidt verliert Deutschland einen Staatsmann im besten Wortsinne, einen Menschen und Politiker, der uns vor allem wegen seiner persönlichen Integrität in Erinnerung bleiben wird. Und einen Menschen, der bis zuletzt mit seinen scharfsinnigen Analysen der politischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt immer wieder zum Nachdenken angeregt hat. Seine klugen Wortmeldungen waren auch für mich immer wieder eine Möglichkeit, noch einmal einen anderen Blickwinkel auf politische Themen zu gewinnen. Mein aufrichtiges Beileid gilt in diesen schweren Stunden seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter."

Dirk Panter, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag: „Die SPD-Landtagsfraktion trauert um Helmut Schmidt. Mit ihm verlieren wir einen streitbaren und scharfsinnigen Sozialdemokarten. Helmut Schmidt war und bleibt für uns ein Vorbild. Er hat Deutschland entscheidend mitgeprägt. Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet.“

Sachsens SPD-Landesvorsitzender Martin Dulig
Sachsens SPD-Landesvorsitzender Martin Dulig

SPD-Landesvorsitzender Martin Dulig: "Die Nachricht vom Tod unseres Altkanzlers Helmut Schmidt macht mich traurig. Ein ganz Großer ist von uns gegangen. Helmut Schmidt begriff wie kein Zweiter die Vernunft als Richtschnur politischen Wirkens. Sein pragmatisches Handeln diente stets sittlichen Zwecken.

Mit Helmut Schmidt verliert Deutschland eine der am meisten beeindruckenden politischen Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte. Wie sehr er sich um unser Land verdient gemacht hat, ist kaum zu ermessen. Er war auch ein großer Internationalist der Verantwortung und herausragender deutscher Staatsmann. Helmut Schmidt war Vorbild im Amt, wie im Wirken danach.

Der Sozialdemokratie wird Helmut Schmidt besonders fehlen. Als Persönlichkeit, Ratgeber und moralische Autorität war er unverzichtbar. Die SPD hat ihm viel zu verdanken. Mit mir trauert die gesamte sächsische Sozialdemokratie um Helmut Schmidt."

Leipzigs OB Jung
Leipzigs OB Jung

Leipzigs OB Jung zum Tode von Helmut Schmidt: „Der Tod von Helmut Schmidt ist politisch und für mich auch persönlich ein großer Verlust. Ein Elder Statesman, wie man sich ihn besser nicht vorstellen kann; ein Ratgeber, dessen Rat wir vermissen werden. Helmut Schmidt war auch ein Manager der Krisen der letzten Jahrzehnte: Sturmflut, RAF, Weltwirtschaftskrise. Und seine klare analytische Kraft und sein Pragmatismus werden uns in künftigen Krisen fehlen. Vielleicht fehlen sie uns jetzt schon.

Noch im Oktober letzten Jahres besuchte er Leipzig, diskutierte in der Peterskirche mit Kurt Masur und Peter Maffay. Leipzig hat ihn 2009 mit dem Mendelssohn-Preis für sein gesellschaftliches Engagement geehrt.
Mit Helmut Schmidt verliert Deutschland einen Kompass, die Sozialdemokratie ist ohne ihn nicht mehr dieselbe - und ich selbst verliere ein großes menschliches Vorbild.“

Zitate von Helmut Schmidt

  • "Politiker und Journalisten teilen sich das traurige Schicksal, daß sie oft heute schon über Dinge reden, die sie erst morgen ganz verstehen."
  • "Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden."
  • "Wenn wir uns überall einmischen wollen, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann riskieren wir den Dritten Weltkrieg."
  • "In der Krise beweist sich der Charakter."
  • "Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden."
  • "Von jedem, der sich um das Amt des Kanzlers bewirbt, ist zu verlangen, daß er dem Volk die bittere Wahrheit sagt."

Foto: dpa

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