30-Stunden-Woche: SPD-Chef Walter-Borjans zeigt sich offen

Berlin - Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans hat sich für eine Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen und Sympathie für die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche gezeigt. Der Vorschlag stammt von der scheidenden Linkspartei-Chefin Katja Kipping.

Norbert Walter-Borjans, Bundesvorsitzender der SPD, kommt zum Koalitionsausschuss am Bundeskanzleramt an.
Norbert Walter-Borjans, Bundesvorsitzender der SPD, kommt zum Koalitionsausschuss am Bundeskanzleramt an.  © Johannes Neudecker/dpa

"Warum sollte man darüber nicht reden - natürlich unter Beachtung der Tarifautonomie", sagte Walter-Borjans den Zeitungen der Funke Mediengruppe dazu.

Zuvor hatte sich bereits Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) aufgeschlossen gezeigt. Eine verringerte Arbeitszeit sei möglicherweise ein geeignetes Mittel, um den Arbeitsmarkt zu stützen.

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch reagierte hingegen skeptisch. "Millionen Menschen mit niedrigen Löhnen kommen schon heute kaum über die Runden. Für sie bedeutet eine Verkürzung der Arbeitszeit in der Regel Abstieg und Armut", sagte Bartsch der Funke Mediengruppe.

"Wo die Arbeitszeit schrumpft, tun dies leider in der Regel auch die Löhne."

Walter-Borjans sagte, auch der Vorschlag des IG-Metall-Chefs Jörg Hofmann, eine Vier-Tage-Woche mit einem "gewissen Lohnausgleich" einzuführen, gehe in die richtige Richtung. "Wir sollten über flexible Arbeitszeitmodelle sprechen, die in Tarifverhandlungen vereinbart werden - passgenau für die jeweilige Branche", sagte er.

Katja Kipping, Parteivorsitzende der Partei Die Linke, fordert die Einführung einer 30-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer.
Katja Kipping, Parteivorsitzende der Partei Die Linke, fordert die Einführung einer 30-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die IG Metall hatte die Vier-Tage-Woche ins Gespräch gebracht, um Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie zu retten. "Wir müssen darüber nachdenken, wie man weniger Arbeit gerecht verteilt", erklärte der SPD-Chef. Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen dürfe "kein vorgeschobenes Argument sein, um Arbeitszeitverkürzung zu verhindern".

Titelfoto: Johannes Neudecker/dpa

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