21-Jährige: "Arbeitsamt rät mir, Kind zu bekommen!"

Wien (Österreich) - In der österreichischen Hauptstadt soll das Arbeitsamt einer Frau geraten haben, eine eigene Familie zu gründen, um nicht arbeiten gehen zu müssen.

Die Jobangebote des Arbeitsmarktservice (AMS) sagten der 21-Jährigen nicht zu. (Symbolbild)
Die Jobangebote des Arbeitsmarktservice (AMS) sagten der 21-Jährigen nicht zu. (Symbolbild)  © dpa/Martin Schutt/lth

Eine 21-jährige, anonyme Frau wendete sich an die österreichische Tageszeitung "Heute", um von ihrer Erfahrung mit dem Arbeitsmarktservice (AMS), dem Pendant zur deutschen Bundesagentur für Arbeit, zu berichten.

"Ich habe mich gefühlt, als würde meine AMS-Betreuerin mich für einen asozialen Jugendlichen halten und wurde von ihr wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt. Und das nur, weil ich nach Arbeit suche", berichtete die Frau der Zeitung.

Demnach verlor sie wohl in der Corona-Krise ihren Job und sucht nun mithilfe des AMS nach einer Möglichkeit, wieder arbeiten zu gehen.

Sie berichtete weiter, dass Arbeitsstellen normalerweise regional vermittelt werden. Doch sie sollte in ein anderes Bundesland ziehen und dort einen Saisonjob annehmen.

"Ich habe einen Lehrabschluss in der Gastronomie, deshalb wollte das AMS mich nach Vorarlberg vermitteln", erzählte sie "Heute".

Die Stelle lehnte sie aber ab und sendete keine Bewerbung, weil sie sich keine zwei Wohnungen leisten könne. Daraufhin stellte der AMS die Überbrückungszahlungen ein und kam mit einer fragwürdigen Idee auf die Frau zu.

Jobsuchende soll Kind bekommen, um weiter Geld zu erhalten

Ein Baby kam für die Betroffene nicht infrage. (Symbolbild)
Ein Baby kam für die Betroffene nicht infrage. (Symbolbild)  © Unsplash/Irina Murza

"Ich habe ihr dann gesagt, dass ich meine Wohnung in Wien verlieren würde, aber das war der Betreuerin egal", erklärte die anonyme Frau weiter. "Sie meinte daraufhin nur, dass sie das nicht interessieren würde und ich ein Kind bekommen solle. Dann müsste mich das AMS nämlich nicht weiter vermitteln."

So brauche die Frau erst einmal gar nicht arbeiten zu gehen. Doch ein Baby kam für die 21-Jährige nicht infrage. "Wie kann sie sowas nur einer 21-Jährigen sagen?", fragte sie in der Zeitung.

Der Umgang beim Amt soll immerzu recht harsch gewesen sein: "Die Frau hat mich von Anfang an beschimpft und niedergemacht. Beim AMS wird man so behandelt, als wäre man ein schlechter Mensch", so die offenbar schikanierte Frau.

Seit 15. Juli bekommt sie nun kein Geld mehr vom Arbeitsamt, bemühte sich in der Zwischenzeit jedoch selbst erfolgreich um eine Stelle in ihrer Heimat Wien und hat nun ein Bewerbungsgespräch eigenständig organisiert.

"Ich hoffe, das geht gut aus, denn von meiner Betreuerin wurde mir nur geraten, dass ich mich vom AMS abmelden soll, wenn mir diese Methoden nicht passen", schloss sie ab.

Arbeitsmarktservice schildert Vorfall anders

Blick in ein Arbeitsamt in Hannover. (Archivbild)
Blick in ein Arbeitsamt in Hannover. (Archivbild)  © dpa/Julian Stratenschulte/lni

Ein Sprecher des Arbeitsmarktservice erklärte, dass die Behörde durchaus auch Stellen in Wien anbot.

Doch die 21-Jährige soll lieber in Teilzeit arbeiten wollen. "Das ist allerdings nicht möglich, da es ein vollversicherungspflichtiges Dienstverhältnis sein muss", wird der AMS-Sprecher zitiert.

Bei den Jobangeboten in anderen Bundesländern soll es sich jeweils um solche inklusive einer kostenfreien Wohnung gehandelt haben. 

Zu dem Baby soll eine Mitarbeiterin lediglich erklärt haben, dass die Frau nicht aus ihrer Heimat weggeschickt werden könnte, wenn sie "Betreuerpflichten" in Wien wahrzunehmen habe, wie dies beispielsweise bei einem eigenen Kind der Fall wäre.

Wie die Beratungen beim österreichischen Arbeitsamt nun wirklich abliefen, wird wohl unklar bleiben. 

Bleibt nur zu hoffen, dass die 21-Jährige Erfolg auf der eigenständigen Job-Suche hat.

Titelfoto: dpa/Martin Schutt/lth, Unsplash/Irina Murza

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