Millionen Betroffene in Deutschland: Kinder leiden besonders unter Sucht der Eltern

Magdeburg - Mindestens rund 4000 Kinder und Jugendliche in Sachsen-Anhalt haben suchtkranke Eltern. Am heutigen Sonntag startet deshalb eine Aktionswoche, die auf die Probleme der Heranwachsenden aufmerksam machen soll.

In einer Aktionswoche soll auf die Probleme aufmerksam gemacht werden, die Kinder von suchtkranken Eltern haben. (Symbolbild)
In einer Aktionswoche soll auf die Probleme aufmerksam gemacht werden, die Kinder von suchtkranken Eltern haben. (Symbolbild)  © 123RF/dmitrimaruta

"Für gewöhnlich wird behandelt, wer krank ist", sagte Helga Meeßen-Hühne, Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen. Doch die Auswirkungen seien auch für Angehörige sehr groß.

Gerade Kinder würden dazu neigen, die Schuld für die Probleme der Eltern bei sich selbst zu suchen. Zudem sei die Sorge um die Mutter oder den Vater groß. "Die Kinder nehmen oft eine Rolle ein, die ihrem Alter nicht angemessen ist."

Tatsächlich seien wohl weit mehr Kinder und Jugendliche betroffen, sagte Meeßen-Hühne. Bekannt seien nur die Fälle, bei denen die Erkrankten im Jahr 2019 Hilfe bei einer Beratungsstelle gesucht hatten.

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"Suchtprobleme in der Familie sind schambesetzt und werden als Familiengeheimnis gehütet", so Meeßen-Hühne. Zahlen aus dem vergangenen Jahr gibt es ihren Angaben nach noch nicht.

Helfen könne nahezu jeder: als Nachbar oder Verwandter beispielsweise einen Rückzugsort für das Kind bieten, zum Beispiel zum Erledigen von Hausaufgaben.

Bundesweit drei Millionen Kinder in Haushalten mit Suchtkranken

Die Aktionswoche, die von Sonntag an bis zum 20. Februar stattfindet, richtet sich mit größtenteils digitalen Angeboten vor allem an Kinder- und Jugendeinrichtungen. Damit soll beispielsweise Beschäftigten von Kitas Hilfe im Umgang mit den erkrankten Eltern aufgezeigt werden.

Laut den Vereinen "NACOA" und "Such(t)- und Wendepunkt", die die Aktionswoche initiiert haben, wachsen bundesweit etwa drei Millionen Kinder in einem Haushalt mit suchtkranken Eltern auf.

Lockdown und Kontaktbeschränkungen seien in der Corona-Pandemie eine zusätzliche Belastung. Mit dem Stress steige oftmals auch der Konsum von Alkohol oder Drogen, hieß es.

Auch darauf soll die Aktionswoche in diesem Jahr aufmerksam machen.

Titelfoto: 123RF/dmitrimaruta

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