Weniger Händeschütteln und Partys, öfter Maske tragen: Das wollen die Deutschen nach Corona

Deutschland - Die lang andauernde Coronavirus-Pandemie wirkt sich auf das Verhalten der Deutschen aus. Was viele ändern wollen und worauf sich die meisten freuen, fand jetzt eine Studie heraus.

Endlich wieder mit der ganzen Familie an einem Tisch sitzen: Darauf freuen sich die meisten der 1000 Befragten.
Endlich wieder mit der ganzen Familie an einem Tisch sitzen: Darauf freuen sich die meisten der 1000 Befragten.  © 123RF/Soloway

Verrückt! Anstatt feiern gehen zu wollen, sind die Deutschen eher darauf aus, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, sobald der Lockdown zu Ende ist. 41 Prozent der Befragten wollen diese öfter besuchen fahren, 39 Prozent würden sie auch zu sich einladen. Dicht gefolgt kommt der Wunsch nach Abenden in Restaurants und Bars (38 Prozent) sowie gleichauf Freunde und Bekannte zu umarmen. 37 Prozent wollen dann wieder auf Fernreise gehen.

Im Gegensatz dazu sind 64 Prozent der Befragten zu Nachtclub-Skeptikern geworden. "Sie gaben an, sie würden sich nicht sicher fühlen, tanzen zu gehen. Ein Teil der Befragten würde dies ganz ablehnen", heißt es in der von Gutschein-Vermittler Groupon beauftragten Studie.

Der Großteil der Befragten hätte demnach auch Bedenken oder würde sogar ausschließen, ein Festival mit vielen Menschen zu besuchen (59 Prozent).

Heruntergebrochen auf die Zielgruppe der 16- bis 44-Jährigen würden sich jedoch 45 Prozent auf einen Festivalbesuch freuen.

Zwei Drittel wollen auch nach der Pandemie mit Maske im Bus mitfahren

Große Events zu besuchen, wie hier beispielsweise das Splash-Festival in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt), ist für 59 Prozent der Befragten unvorstellbar.
Große Events zu besuchen, wie hier beispielsweise das Splash-Festival in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt), ist für 59 Prozent der Befragten unvorstellbar.  © Max Patzig

Dem gegenüber stehen 55 Prozent der 1000 Befragten, die angaben, sich wohlzufühlen, wenn sie ein gut gefülltes Restaurant ohne Maske besuchen würden. In Frankreich, wo Groupon dieselbe Umfrage durchführte, liegt diese Anzahl sogar bei 72 Prozent!

Ansonsten gehen 66 Prozent der befragten Deutschen lieber auf Nummer sicher und würden eine Maske aufsetzen, wenn sie in einen Bus steigen müssten - "selbst wenn ein Großteil der Bevölkerung bereits durchgeimpft wäre", heißt es. 42 Prozent der Über-60-Jährigen würden jedoch bewusst darauf verzichten.

Der Wunsch nach mehr Hygiene setzt sich auch in anderen Bereichen fort: So würden 63 Prozent weiterhin verstärkt auf Hygienemaßnahmen achten. "In neuen Situationen entstehen neue Gewohnheiten, die gegebenenfalls auch beibehalten werden, wenn sich die Umstände wieder verändern. Zum Beispiel werden sich einige vielleicht weiterhin per 'elbow bump' begrüßen", erklärt Persönlichkeitspsychologe Nick Modersitzki von der Universität Bielefeld.

51 Prozent wollen der Umfrage nach nicht mehr so viele Hände schütteln oder Menschen umarmen wie vor der Pandemie.

Menschen könnten auch Wertschätzung für die kleinen Freuden des Alltags entwickeln

In Zukunft wollen viele Deutsche aufs Händeschütteln verzichten und sich stattdessen mit den Ellenbogen begrüßen. Auch zu Masken soll öfter gegriffen werden.
In Zukunft wollen viele Deutsche aufs Händeschütteln verzichten und sich stattdessen mit den Ellenbogen begrüßen. Auch zu Masken soll öfter gegriffen werden.  © 123RF/boggy22

42 Prozent der Befragten würden auch wieder zu Masken greifen, wenn sie krank werden. "31 Prozent würden die Maske ablehnen", heißt es von Groupon. 27 Prozent wären sich noch unsicher.

"Bereits jetzt kristallisiert sich ein bestimmter Post-Corona-Lifestyle heraus", stellt Groupon-Chef Nils Dantzer fest. "Die Deutschen freuen sich, das Leben wieder mehr genießen zu können – vor allem gemeinsam mit ihren Freunden und der Familie. Es ist jetzt wenig überraschend, dass ein Großteil hierzulande ein starkes Sicherheitsbedürfnis hat und dementsprechend auch in vielen Dingen vorsichtig und vorausschauend denkt."

Groupon arbeite deshalb bereits an neuen Angeboten speziell für eine kleinere Anzahl an Menschen.

Die Pandemie hat dem Psychologen Modersitzki zufolge aber auch etwas Gutes: "Es ist möglich, dass Menschen infolge der Pandemie dankbarer werden."

Er sagt: "Anhaltende Persönlichkeitsveränderungen finden vor allem dann statt, wenn sich die Lebensumstände, beziehungsweise die Alltagssituationen, verändern und Menschen sich regelmäßig anders verhalten, anders denken und anders fühlen. Indem Menschen dann über sich selbst und ihr Leben reflektieren, können sich Einstellungen und Werte ändern."

Beispielsweise könnten die Menschen darüber nachgedacht haben, was ihnen wichtig ist und was ihnen gutgetan hat und sich daran orientieren. "Somit entwickelt sich langfristig mehr Wertschätzung für das gewöhnliche soziale Miteinander und für die kleinen Freuden des Alltags."

Titelfoto: Montage: 123RF/boggy22, Max Patzig, 123RF/Soloway

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