Ampel-Koalition: Bald bis zu 13 Stunden Arbeit am Tag möglich?

Berlin - Parteien der Ampel-Koalition haben ihr Sondierungs-Papier veröffentlicht. In diesem steht etwas zur Veränderung des Arbeitszeitgesetzes. Könnten 13 Stunden Arbeit pro Tag bald legal sein? Wenn ja, könnte dies verheerende Folgen für die allgemeine Gesundheit haben.

(v.l.n.r) Christian Lindner (42, FDP), Annalena Baerbock (40, Grüne) und Olaf Scholz (63, SPD) waren an der Erstellung des Sondierungspapiers beteiligt.
(v.l.n.r) Christian Lindner (42, FDP), Annalena Baerbock (40, Grüne) und Olaf Scholz (63, SPD) waren an der Erstellung des Sondierungspapiers beteiligt.  © Kay Nietfeld/dpa

Die FDP, die Grünen und die SPD haben sich nach mehreren Verhandlungsrunden auf ein Sondierungs-Papier geeinigt. Daraus geht hervor, das es eventuell zu "Abweichungen von den bestehenden Regelungen des Arbeitszeitgesetzes hinsichtlich der Tageshöchstarbeitszeit" kommen könnte.

Sprich: Bald könnten längere Arbeitszeiten pro Tag legal sein. Trotzdem müsste Deutschland sich an Europäische Gesetze halten. Dementsprechend wäre auch bei 13 Stunden Schluss.

Guido Zeitler (50), Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), steht dieser Veränderung kritisch gegenüber. In einem Interview mit der taz, warnt dieser vor den Gesundheitsfolgen, die diese Veränderung haben könnte.

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Laut Zeitler sind täglich lange Arbeitszeiten gefährlich. Zum einen sind sie schlecht für die Gesundheit, zum anderen erhöhen sie die Chance von Unfällen.

Auch wenn Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen diese längeren Arbeitszeiten freiwillig in Kauf nehmen, besteht eine Gefahr. Junge Menschen stecken es vielleicht noch weg - aber irgendwann rächt sich die erhöhte Belastung an allen, so Guido Zeitler.

Gastronomie, Hotelbranche und andere Dienstleistungen besonders betroffen

Vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Gastronomie könnten von der Gesetzesänderung betroffen sein. (Symbolbild)
Vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Gastronomie könnten von der Gesetzesänderung betroffen sein. (Symbolbild)  © Marijan Murat/dpa

Am meisten könnten wahrscheinlich verschiedene Dienstleistungsbereiche von dieser Gesetzesänderung profitieren, so Zeitler. Das sind auch die Bereiche, bei denen man sich aber am meisten Sorgen machen müsste.

Manche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden bei gleichbleibenden Wochen- und Monatsstunden vielleicht einen längeren Arbeitstag freiwillig wählen. Die Menschen, die aber wahrscheinlich am stärksten von einer Änderung am Arbeitszeitgesetzes betroffen wären, hätten vermutlich wenig Mitspracherecht.

Gastronomie- und Hotellerie-Unternehmen zum Beispiel, weisen oft Strukturen auf, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenig Entscheidungsmacht über die eigenen Arbeitsumstände haben.

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So könnten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche also vielleicht bald dazu gezwungen werden, länger zu arbeiten als sie wollen oder können.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa Marijan Murat/dpa

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