"Verstörend": Schülerstreiche im Digitalunterricht laufen aus dem Ruder

Düsseldorf – Mit lauter Musik Videokonferenzen sprengen oder den Lehrer einfach stummschalten: Auch der digitale Unterricht im Corona-Lockdown bietet Schülern Möglichkeiten für Störmanöver und Streiche.

Auch im Distanzunterricht lassen sich Schüler den ein oder anderen Streich nicht nehmen – doch manch ein Witzbold schießt über das Ziel hinaus.
Auch im Distanzunterricht lassen sich Schüler den ein oder anderen Streich nicht nehmen – doch manch ein Witzbold schießt über das Ziel hinaus.  © Jonas Güttler/dpa

Lehrerverbände, Schülervertreter und Schulleitungen berichten auch von grenzüberschreitenden Aktionen, die ihnen Sorge machen, weil sie Persönlichkeitsrechte verletzen.

Ein Experten zufolge bundesweit auftretendes Phänomen sind dabei gezielte Attacken von Unbekannten auf nicht ausreichend geschützte Online-Konferenzen im Distanzunterricht.

Im Videoportal Tiktok gebe es eine Vielzahl von Accounts, in denen Nutzer anbieten, nach Herausgabe von Zugangslinks und etwaigen Passwörtern, Digitalunterrricht zu torpedieren, wie Günter Steppich, hessischer Fachberater für Jugendmedienschutz der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Auch Schulen in Nordrhein-Westfalen berichteten zuletzt häufiger über solche Aktionen. So stoppte ein Gymnasium in Wegberg zeitweise seine Videokonferenzen, nachdem Handyfilme der verdatterten Reaktion der Lehrer auf einen solchen akustischen Angriff in den Sozialen Medien gelandet waren und dort für Häme sorgten.

Für ihre Kollegen sei das eine "in höchstem Maße verstörende Erfahrung" gewesen, berichtete die Schulleiterin Maj Kuchenbecker vom Maximilian-Kolbe-Gymnasium.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) hat einen klaren Appell zum Thema Schülerstreiche im Unterricht.
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) hat einen klaren Appell zum Thema Schülerstreiche im Unterricht.  © Federico Gambarini/dpa

Schulministerin mahnt: Persönlichkeitsrechte beachten

"Schulstreiche gibt es, solange es Schulen gibt. Aber es gibt natürlich Grenzen", teilte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) auf Anfrage mit.

Ihr Appell für den "Distanzunterricht in dieser schwierigen Pandemie-Zeit": "Mit schützenswerten persönlichen Daten darf kein Unfug getrieben werden. Persönlichkeitsrechte sind gerade bei Videokonferenzen zu beachten." Auch der virtuelle Klassenraum sei ein geschützter Raum, mahnte Gebauer.

Titelfoto: Montage: Jonas Güttler/dpa, Federico Gambarini/dpa

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