Energiesparen, aber richtig: Denn Knausern macht krank

Deutschland - Egal ob bei Strom, Gas oder Öl, beim Duschen und Heizen – wir alle müssen diesmal mit Energie-Einsparungen über den Winter kommen. Doch aus Angst vor horrenden Strom- und Nebenkosten-Rechnungen würden manche dabei sogar ganz aufs Heizen verzichten.

Fatal! Denn was gut für den Geldbeutel ist, kann uns krank machen. Wer es beim Sparen übertreibt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Experten erklären, ab wann radikales Sparen ungesund und gefährlich wird.

1. Schimmelbildung

Diplom-Biologin Kerstin Aretz: "Schimmelgefahr droht, wenn nicht ausreichend geheizt wird, es zu kalt und die Luftfeuchtigkeit im Raum zu hoch ist."
Diplom-Biologin Kerstin Aretz: "Schimmelgefahr droht, wenn nicht ausreichend geheizt wird, es zu kalt und die Luftfeuchtigkeit im Raum zu hoch ist."  © 123RF/iimages

Erst muffiger Geruch, dann Atembeschwerden, nächtliche Hustenanfälle bis hin zum Asthma – der Grund kann Schimmel sein.

"Schimmelsporen, wie die der Gattung Alternaria, können Allergien auslösen oder bestehende Allergien verstärken", warnt die Biologin Kerstin Aretz (44), Fachberaterin für Mykologie aus Dresden.

Schimmel entsteht an ausgekühlten Wänden, gern auch versteckt hinter der Schrankwand oder an Gardinen. "Wenn Luftfeuchtigkeit an ausgekühlten Wänden kondensiert, reicht das aus, damit Schimmel wachsen kann", weiß Aretz. Die Gefahr vergrößert sich, wenn man nicht nur selbst, sondern auch der Nachbar nebenan aufs Heizen verzichtet.

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Die Schimmelexpertin rät zu regelmäßigem Stoßlüften: "Feuchtigkeit entsteht beim Kochen, Duschen, Wäschetrocknen oder auch nur beim Atmen. Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als kalte. Beim Lüften wird die feuchte Raumluft gegen trockene Außenluft ausgetauscht."

Aber bitte nicht bei angekipptem Fenster schlafen. Das lässt die Wände auskühlen.

2. Legionärskrankheit

Keine Chance für Legionellen: Die Regler-Temperatur am Kessel sollte mindestens 60 Grad betragen.
Keine Chance für Legionellen: Die Regler-Temperatur am Kessel sollte mindestens 60 Grad betragen.  © imago images/Cavan Images

Auch Heizkessel für warmes Wasser verschlingen viel Energie. Darf man hier einfach die Temperatur absenken? "Zu empfehlen sind 55 Grad", sagt Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt (UBA).

Das sei die Vorlauftemperatur, bei der Legionellen abgetötet werden. Die Bakterien befinden sich generell im Leitungswasser, vermehren sich aber besonders gut bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad.

Legionellen können über Dusch-Aerosole eingeatmet werden und eine Legionellen-Pneumonie (Lungenentzündung) auslösen – keine harmlose Erkrankung.

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Das UBA empfiehlt: In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasserspeicher sollte die Regler-Temperatur am Trinkwasser-Erwärmer auf mindestens 60 Grad eingestellt sein, damit die Wassertemperaturen im Leitungssystem an keiner Stelle unter 55 Grad sinken.

3. Hände nur noch kalt waschen

In vielen öffentlichen Gebäuden müssen den neuen Energiesparvorgaben zufolge Durchlauferhitzer oder dezentrale Warmwasserspeicher ausgeschaltet werden, wenn das Wasser überwiegend dem Händewaschen dient.

Unhygienisch? Aus Sicht der Hygiene-Expertin Maral Miller, Direktorin des Berliner Vivantes Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, ist kaltes Wasser zum Händewaschen unbedenklich: "Keiner wäscht sich mit so heißem Wasser, dass Erreger abgetötet werden – sonst besteht Verbrühungsgefahr."

Es gehe vielmehr darum, wie wir uns die Hände waschen – also die Handinnenflächen und Fingerzwischenräume gründlich mit Seife.

4. Unterkühlung bei Babys und Rentnern

Erst Unterkühlung, dann Erkältung: Wenn im Alter Muskelmasse schwindet, braucht sie weniger Energie - weniger Wärme wird freigesetzt.
Erst Unterkühlung, dann Erkältung: Wenn im Alter Muskelmasse schwindet, braucht sie weniger Energie - weniger Wärme wird freigesetzt.  © 123RF/yacobchuk

"Die Heizung herunterzudrehen ist bei gesunden, erwachsenen Menschen und auch Kindern ab fünf, sechs Jahren überhaupt kein Problem. Aber es kann bei Babys und Senioren zum Problem werden", warnt der Medizinjournalist Dr. Christoph Specht (61).

"Wenn man nämlich – und das ist auch gleich ein Grund, warum Ältere so oft frieren – weniger Muskelmasse hat, sich weniger bewegt, dann erzeugt man selbst sehr viel weniger Wärme und friert dadurch leichter."

Folge der Unterkühlung: Erkältungen. Wer lange im Kühlen sitzt, sollte neben warmer Kleidung zusätzlich eine Wolldecke umlegen und sich zwischendurch bewegen.

5. Blutdruck steigt

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen niedrige Innentemperaturen mit höherer Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen wie Asthma einher.

Im Winter werden zudem mehr Todesfälle durch Schlaganfälle und Herzinfarkte verzeichnet.

Der Grund: Durch Kälte verengen sich die Blutgefäße – der Blutdruck steigt. Laut einer Studie des dänischen National Research Centre for the Working Environment erhöht eine niedrigere Raumtemperatur als 18 Grad in Regionen mit gemäßigtem Klima im Winter das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegsinfekten zu erkranken oder zu sterben.

Wenn solche Erkrankungen nicht erkannt bzw. nicht richtig behandelt werden oder wenn der Blutdruck nicht richtig eingestellt ist, dann werden kalte Innentemperaturen zum Problem.

6. Erkältungen durch kälteres Wasser

Sparen, aber mit Bedacht: Ein Mindestmaß an Heizen, Lüften und Warmwasser muss sein – auch im teuren Winter 2022/23.
Sparen, aber mit Bedacht: Ein Mindestmaß an Heizen, Lüften und Warmwasser muss sein – auch im teuren Winter 2022/23.  © 123RF/nexusplexus

Schwimmhallen und -bäder haben angekündigt, als Energiesparmaßnahme die Wassertemperatur abzusenken. Eine Gefahr für Schwimmer ist das nicht.

"Sie bewegen sich schließlich im Wasser und kühlen deshalb nicht aus", sagt Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Anders ist das bei kleinen Kindern, die erst noch schwimmen lernen und frierend aus dem Wasser kommen.

"Man muss sie sofort gut abtrocknen und in einen warmen Bademantel stecken", so Exner. Oder die Badezeit verkürzen.

7. Fußpilz durch Hausschuhe

Auch Fußpilz wird durch falsche Schuhe gefördert.
Auch Fußpilz wird durch falsche Schuhe gefördert.  © 123rf/ryanking999

Kuschelig warme Pantoffeln dürften diesen Winter nicht nur im Homeoffice oft stundenlang getragen werden.

"Wichtig sind atmungsaktive Hausschuhe zum Beispiel aus Schurwolle", rät der Dermatologe Norbert H. Brockmeyer (70).

"Wenn Schweiß nicht entweichen kann, bildet sich eine feuchte Kammer – hier können Pilze hervorragend gedeihen."

Titelfoto: Montage: 123RF/iimages, 123RF/yacobchuk

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