Auffrischungs-Impfung für alle oder nicht? Chaos um die Booster-Impfung

Berlin/Hamburg - Menschen, die sich aktuell gegen das Coronavirus boostern lassen wollen, haben es nicht leicht. Täglich endlose Schlangen vor Impfstationen, dazu immer wieder neue Forderungen von Politikern und Wissenschaftlern. Das ist der aktuelle Stand im großen Chaos um die Booster-Impfung:

Der dritte Stempel im Impfausweis rückt für Millionen von Deutsche immer näher.
Der dritte Stempel im Impfausweis rückt für Millionen von Deutsche immer näher.  © imago images/MIS

Große Überraschung am späten Dienstagabend bei "Markus Lanz". Dort deutete Thomas Mertens (71), Chef der sonst so entscheidungsträgen STIKO an, dass seine Kommission Booster-Impfungen schon bald für alle Deutschen ab 18 Jahren empfehlen wolle. Damit würde die Empfehlung von bislang 70 Jahren auf das bereits in Sachsen praktizierte Alter abgesenkt werden.

Doch ist mit dem Absenken des Alters natürlich nicht die Frage geklärt, einen der aktuell sehr raren Impf-Termine zu bekommen. Das Problem seien die Kapazitäten, "die Hausärzte sind stark gefordert im Augenblick".

Deshalb pochen diese, wie auch schon bei den ersten beiden Runden, auf eine Priorisierung. "Zuerst müssten die vulnerablen Gruppen wie Menschen über 70 Jahre und chronisch Kranke die Auffrischung erhalten", so Hausärzte-Boss Ulrich Weigeldt (71) zur Rheinischen Post. "Diskussionen darüber, die ganze Bevölkerung quasi gleichzeitig ein drittes Mal zu impfen, helfen in der Impfkampagne nicht weiter."

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Junge Menschen seien in der Regel auch sechs Monate nach ihrer zweiten Impfung gut geschützt und könnten ihren Booster auch etwas später bekommen.

Doch wie lange gibt es die 6-Monats-Grenze überhaupt noch?

Bis Weihnachten 30 Prozent der Bevölkerung geboostert?

Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) drückt beim Thema Booster-Impfung weiter aufs Tempo.
Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) drückt beim Thema Booster-Impfung weiter aufs Tempo.  © imago images/Political-Moments

Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) sprach sich jetzt dafür aus, Auffrischungsimpfungen für alle ab 18 schon vor Ablauf der Halbjahresfrist zu verabreichen.

"Der gemäß Zulassung vorgesehene Abstand von sechs Monaten [...] ist als zeitliche Richtschnur zu verstehen, der natürlich nicht tagesgenau einzuhalten ist", heißt es in einem gemeinsamen Brief mit Kassenärzte-Boss Andreas Gassen (59) an alle Vertragsärzte. Er lag dem Tagesspiegel vor.

In Berlin sind Auffrischungen ab sofort bereits nach fünf Monaten möglich, wie die Gesundheitsverwaltung am heutigen Mittwoch beschloss.

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Neues Ziel? Wenn man es bis deutlich vor Weihnachten schaffen würde, etwa 30 Prozent der Bevölkerung zu boostern (aktuell rund 5 Prozent), "dann bestehen Aussichten auf sinkende Inzidenzen zu Weihnachten". Das sagt TU-Berlin-Experte Kai Nagel (56) im Gespräch mit den Funke-Zeitungen.

Ab etwa dieser Marke würden Simulationen zufolge infektionsreduzierende Effekte eintreten.

Kommentar: Eine Lösung muss her!

TAG24-Politikredakteur Paul Hoffmann über eine Booster-Impfungs-Entscheidung, die dringend her muss.

TAG24-Redakteur Paul Hoffmann.
TAG24-Redakteur Paul Hoffmann.  © Eric Münch

Wenn die Deutschen etwas gut können, dann ist es das: ewig über eine Thematik zu diskutieren, ohne der Lösung auch nur ein Stückchen näher zu kommen. Aktuelles Beispiel: die Debatte über die Booster-Impfungen.

Der Gesundheitsminister will die Auffrischung schnell für alle ab 18 Jahren ermöglichen. Die Ständige Impfkommission will dies auch bald empfehlen, der Hausärzte-Chef aber an der guten alten Priorisierung festhalten.

Indes stehen die Menschen in der Kälte Schlange, um eine der wenigen Spritzen zu bekommen - oder sie reihen sich beim Hausarzt in Wartelisten ein, die teils schon verantwortungslose Längen erreicht haben. So der Hausarzt denn überhaupt boostert.

Die vierte Welle kam mit Ansage. Warum wurde der vorige Sommer nicht dafür genutzt, um Lösungen für eine geräuschlose dritte Impf-Runde zu entwickeln?

Auch wenn es wieder keine Lösung geben wird, die alle zufriedenstellt, muss jetzt schneller denn je reagiert und gehandelt werden, bevor die Situation völlig außer Kontrolle gerät.

Titelfoto: Montage: imago images/MiS, imago images/Political-Moments

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