Umfrage zeigt wachsende Unzufriedenheit mit Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung

Düsseldorf - Die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung hat einer Umfrage zufolge in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel.  © John Thys/Pool AFP/AP/dpa

Bei einer repräsentativen Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gaben im Juli fast 60 Prozent der befragten Erwerbstätigen an, sie seien weniger oder gar nicht zufrieden mit den aktuellen Leistungen der großen Koalition bei der Pandemiebekämpfung.

Zum Vergleich: Im November vergangenen Jahres war nicht einmal die Hälfte (44 Prozent) der Befragten unzufrieden mit den Leistungen der Politik, im Sommer 2020 sogar nur jeder Dritte.

Gleichzeitig gingen demnach jedoch die durch Corona ausgelösten Ängste und Belastungsgefühle in der Bevölkerung deutlich zurück.

Hatten während des Lockdowns im Januar noch 40 Prozent der Befragten die eigene Gesamtsituation - familiär, finanziell und bezüglich des Arbeitsplatzes - als äußerst oder stark belastend empfunden, so waren es im Juli nur noch 28 Prozent.

Die gegensätzliche Entwicklung in der Beurteilung der persönlichen Situation und der Bewertung der Leistungen der Politik ist auch für die Forscher des WSI nicht ganz einfach zu deuten.

Fortschritt aus der Krise kommt bei etlichen Menschen nicht an

Einer Umfrage zufolge hat die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung in den vergangenen Monaten stark zugenommen. (Symbolbild)
Einer Umfrage zufolge hat die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung in den vergangenen Monaten stark zugenommen. (Symbolbild)  © 123RF/morganka

"Der erhoffte Sommer der Befreiung ist für viele ausgeblieben, die Gesellschaft verharrt im Zwiespalt", erklärte die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch.

"Schaut man auf die allgemeinen Statistiken zur Wirtschaftsentwicklung oder zu Impfquoten, arbeitet sich Deutschland aus der Krise. Aber bei etlichen Menschen kommt dieser Fortschritt nicht voll an."

"Zur größeren Unzufriedenheit dürfte auch beigetragen haben, dass die Pandemie Lücken im sozialen Sicherungssystem offengelegt hat", glauben die Forscher. So setze sich etwa der Trend fort, dass Erwerbspersonen, die schon vor der Krise wirtschaftlich schlechter gestellt waren, während der Pandemie auch noch häufiger an Einkommen eingebüßt hätten.

Es zeige sich zudem, dass Menschen mit niedrigen Einkommen bei Impfungen weiterhin etwas zurücklägen. Und die Unterschiede zwischen Müttern und Vätern bei Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit hätten sogar wieder etwas zugenommen.

"Die Hauptlast hier lag und liegt während der Krise bei den Frauen", sagte Kohlrausch.

Titelfoto: 123RF/morganka, John Thys/Pool AFP/AP/dpa (Bildmontage)

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