Corona-Auflagen in Schulen und Kitas: Alleinerziehende fordern Klarheit über Betreuung

Düsseldorf/Essen - Die knapp 330.000 Alleinerziehenden minderjähriger Kinder in NRW befürchten erhebliche Lasten durch die neuen Corona-Einschränkungen in Schulen und Kitas.

Durch die neuen Corona-Einschränkungen befürchten knapp 330.000 Alleinerziehende minderjähriger Kinder in NRW in Schulen und Kitas erhebliche Lasten (Symbolbild).
Durch die neuen Corona-Einschränkungen befürchten knapp 330.000 Alleinerziehende minderjähriger Kinder in NRW in Schulen und Kitas erhebliche Lasten (Symbolbild).  © Marcel Kusch/dpa

Sie fordern schnell Klarheit über die geplanten Kinderkrankentage zur Sicherung der Betreuung.

"Die erneute Umstellung auf Distanzunterricht und der eingeschränkte Pandemiebetrieb in der Kindertagesbetreuung ist für Eltern und insbesondere erwerbstätige Alleinerziehende wieder eine enorme Belastung", sagte Nicola Stroop, Vorstand beim Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) NRW, der dpa.

Der Verband begrüße die neu geschaffene Möglichkeit für Eltern, sich mit zusätzlichen Kinderkrankentagen bezahlt von der Arbeit freistellen lassen zu können. Allerdings seien die Details der Regelung, die ja schon ab dem kommenden Montag genutzt werden solle, weiterhin offen.

"Es ist noch völlig unklar, wer den Kinderkrankenschein ausstellt: der Kinderarzt, die Einrichtung oder der Träger", bemängelte Stroop.

Außerdem bleibe offen, was für privat und freiwillig versicherte Eltern gilt, deren Versicherung keine Kinderkrankentage beinhaltet.

Kontaktbeschränkungen führen in Trennungsfamilien zu großen Verunsicherungen

In Nordrhein-Westfalen leben etwa 327.000 alleinerziehende Elternteile mit ihren minderjährigen Kindern zusammen (Symbolbild).
In Nordrhein-Westfalen leben etwa 327.000 alleinerziehende Elternteile mit ihren minderjährigen Kindern zusammen (Symbolbild).  © Christian Charisius/dpa

Um Betreuungsprobleme zu vermeiden, sollen die Kinderkrankentage pro Elternteil bundesweit von 10 auf 20 verdoppelt werden, für Alleinerziehende von 20 auf 40. Das hatten Bund und Länder am Dienstag vereinbart. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) wurde aufgefordert, dazu schnell ein entsprechendes Gesetz vorzulegen.

Die außerdem am Dienstag vereinbarten Kontaktbeschränkungen auf nur noch eine Person außerhalb des Haushaltes führten in Trennungsfamilien zu großen Verunsicherungen, beklagte Stroop. Viele Anrufer bei einer VAMV-Krisenhotline in NRW fragten beispielsweise, ob ein Geschwisterpaar künftig nicht mehr zusammen sein getrennt lebendes Elternteil besuchen dürfe.

"Wir warten hier dringend auf die konkrete Klarstellung durch das Bundesjustizministerium", sagte Stroop. Bei den Beratungen sei die Lebensrealität von bundesweit 1,6 Millionen Trennungsfamilien offenbar nicht mitgedacht worden.

In Nordrhein-Westfalen leben etwa 327.000 alleinerziehende Elternteile mit ihren minderjährigen Kindern zusammen. Gemessen an der Gesamtzahl der Familien sind das rund 20 Prozent.

Die meisten von ihnen, knapp 90 Prozent, sind alleinerziehende Mütter.

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa

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