Keine Öffnungen in Sicht: Deutschlands Händler in der Lockdown-Depression!

Berlin - Am 5. Januar beraten Angela Merkel (66, CDU) und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise, denn in genau einer Woche läuft der harte Lockdown aus. Doch wohl kaum jemand glaubt daran, dass der 11. Januar als Tag der Lockerungen in die deutsche Geschichte eingehen wird.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE).
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE).  © dpa/Rolf Vennenbernd

Stattdessen herrscht vielerorts Pessimismus und die Vorahnung, dass es im Zustand der geschlossenen Lokale, Geschäfte und Freizeitaktivitäten wohl noch lange weitergehen wird.

So fürchtet beispielsweise der Handelsverband Deutschland (HDE), dass die Läden "nicht wieder öffnen dürfen. Denn das Ziel, die 7-Tage-Inzidenz bundesweit auf unter 50 zu senken, wird bis dahin wohl nicht zu erreichen sein", so Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Am heutigen Samstag lag die Inzidenz nach Angaben des RKI bei 141,2, durch die Weihnachts- und Silvestertage ist hier durchaus mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

"Die Lage ist wirklich sehr ernst", appelliert Genth an die Politik. "Bundesfinanzminister Olaf Scholz kündigt zwar immer Milliardenhilfen an, tatsächlich kommen die Hilfen aber nicht zur Auszahlung, weil die Zugangshürden viel zu hoch sind."

Viele Handelsunternehmen haben ihre Reserven inzwischen aufgebraucht, ohne Hilfen drohe das Aus "für bis zu 50.000 Geschäfte".

Situation für Handel düster, aber wie sieht's bei den Schulen aus?

"Wir schließen Räumungsverkauf!" steht an der Scheibe eines Geschäftes. Dieses Bild könnte sich künftig wohl öfter zeigen.
"Wir schließen Räumungsverkauf!" steht an der Scheibe eines Geschäftes. Dieses Bild könnte sich künftig wohl öfter zeigen.  © dpa/Caroline Seidel

Von einer Pleitenwelle geht auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher (49), in der "Augsburger Allgemeinen" aus: "Je länger es dauert, desto mehr Unternehmen kommen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, desto mehr werden pleitegehen."

Die Frage sei nicht, ob, sondern wann es zu Unternehmensinsolvenzen kommt. Dennoch sei es richtig, den Lockdown bei hohen Infektionszahlen zu verlängern. "Wirtschaftliche Lockerungen jetzt mögen kurzfristig manchen nutzen, langfristig würden sie jedoch allen schaden."

Und was wird eigentlich aus Schulen und Kitas?

Unter bestimmten Voraussetzungen befürwortet SPD-Gesundheitsguru Karl Lauterbach (57) deren Öffnung ab der zweiten Monatshälfte. Für Schulen wäre dies beispielsweise, "dass alle anderen Klassenstufen geteilt würden und wechselnd Präsenz- und Digitalunterricht erhalten. Oder der Präsenzunterricht ganz ausgesetzt wird".

Weiter sagte er der "Rheinischen Post": "Wenn alle Schulen wieder aufmachen wie vor den Ferien, laufen wir Gefahr, dass wir selbst den Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche trotz Lockdowns gar nicht erst erreichen werden."

Medizinverbände gegen Lockerungen

Die Belastung auf den Intensivstationen ist aktuell deutschlandweit sehr hoch.
Die Belastung auf den Intensivstationen ist aktuell deutschlandweit sehr hoch.  © dpa/ZB/Waltraud Grubitzsch

Führende Verbände von Medizinern haben sich gegen Lockerungen nach dem 10. Januar ausgesprochen. So wünscht sich die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna (55), "eine möglichst einheitliche Verlängerung der Kontaktbeschränkungen".

Weiter sagte sie gegenüber den Zeitungen der "Funke Mediengruppe", "das Gesundheitssystem braucht dringend eine Entlastung, die nur durch eine Verlängerung" dieser Maßnahmen zu erreichen ist.

Uwe Janssens (60) von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hält in der "Rheinischen Post" die angepeilte Inzidenz von 50 gar noch für zu lasch. "Wir Intensivmediziner raten dringend dazu, bis zu einem Inzidenzwert von unter 25 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche keine Lockerungen in Aussicht zu stellen."

Erst am Ende der kommenden Woche werde man sehen, "wie stark Weihnachten zur Verbreitung von Covid-19 beigetragen hat. Die Effekte von Silvester dann noch deutlich später".

Mit Entspannung auf den Intensivstationen rechne er erst im Sommer.

Titelfoto: Montage: dpa/Caroline Seidel, dpa/Rolf Vennenbernd

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