"Menschenunwürdig": Heftige Kritik nach erneutem Corona-Ausbruch in Ankerzentrum

Bamberg - Kaum Abstand, keine Masken, wenig Informationen: Die Kritik am Umgang mit der Coronavirus-Pandemie in bayerischen Ankerzentren reißt nicht ab.

Besonders schlimm ist die Lage in Oberfranken: Nach einem Corona-Ausbruch in der Bamberger Unterkunft hagelt es Kritik.
Besonders schlimm ist die Lage in Oberfranken: Nach einem Corona-Ausbruch in der Bamberger Unterkunft hagelt es Kritik.  © Daniel Karmann/dpa

"In Massenunterkünften kann sich nicht ausreichend vor einer Infektion geschützt werden", erklärte der Bayerische Flüchtlingsrat hinsichtlich der Situation Lager würden eine Gefahr darstellen - und müssten dringend geschlossen werden.

Besonders schlimm sei die Lage gerade in Oberfranken: Nach einem Coronavirus-Ausbruch in der Bamberger Unterkunft seien die Zustände "menschenunwürdig", schilderte Pfarrerin Mirjam Elsel, zuständige Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit im Dekanat Bamberg und Mitorganisatorin der Bamberger Mahnwachen Asyl.

"So kann man in unserem reichen Land nicht mit Menschen umgehen", führte sie weiter aus.

Tatsächlich verbreitete sich das Virus dort rasant.

Nach entsprechenden Angaben der Regierung von Oberfranken infizierten sich 75 Bewohner, mehr als 160 müssen als Kontaktpersonen der Betroffenen momentan in Quarantäne ausharren. Doch selbst in Quarantäne würden die Betroffenen auf engstem Raum zusammenleben, heißt es in der Pressemitteilung der Bamberger Mahnwachen Asyl.

Es fehle an Klopapier, Masken, Desinfektions- und Putzmittel.

Bei der Essensausgabe über einen Bauzaun hinweg stünden die Menschen teilweise dicht gedrängt. "Die Angst ist groß, das Misstrauen untereinander wächst, die Menschen fühlen sich völlig alleine gelassen und sind verzweifelt."

Regierung Oberfrankens weist Vorwürfe zurück

Die Regierung von Oberfranken weist die Vorwürfe zurück. Zwar könne aus Kapazitätsgründen nicht jede Person ein eigenes Zimmer bekommen, räumte eine Sprecherin ein. Bei einer Unterbringung in Drei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmetern könnten die Bewohner aber Abstand zueinander einhalten.

Weil so viele plötzlich in Quarantäne mussten, seien zwei Gebäude kurzfristig umgerüstet worden. Dort seien dann auch nicht gleich alle Hygieneartikel bereitgelegen, erklärte die Regierungssprecherin. "Die Sachen wurden und werden aber durch Mitarbeiter der Regierung von Oberfranken und des Sicherheitsdienstes ausgegeben."

Die Abstände bei der Essensausgabe und die Reinigung der Zimmer liege auch in der Verantwortung der Bewohner.

Der Wortteil "Anker" ist aus den Anfangsbuchstaben folgender Wörter gebildet: An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Diese Aufgaben sollen Ankerzentren gebündelt erfüllen.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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