Pflegeheim-Chefs sollen Lebenspartnern auf dreiste Weise Impfungen verschafft haben

Augsburg - In Bayern gibt es immer neue Berichte über Vordrängler bei den Corona-Impfungen. Nachdem bereits Kommunalpolitiker und der Augsburger Bischof Bertram Meier wegen früherer Impfungen in die Kritik gerieten, werden nun schwere Vorwürfe gegen die schwäbische Arbeiterwohlfahrt (AWO) laut.

Eine Mitarbeiterin vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) bereitet in einem Impfzentrum den Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vor.
Eine Mitarbeiterin vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) bereitet in einem Impfzentrum den Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vor.  © Sven Hoppe/dpa

Nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" wurden in AWO-Heimen die Impfteams gezielt getäuscht, damit zwei Lebenspartner von Heimleitern Impfungen erhielten. Die zwei Betroffenen seien als Mitarbeiter ausgegeben worden, obwohl sie nicht in den Einrichtungen arbeiteten.

Der AWO-Bezirksverband räumte am Donnerstag Unregelmäßigkeiten bei Impfungen in eigenen Pflegeheimen ein. Auf Nachfragen zu den Fällen der Heimleitungen äußerte sich der Verband zwar nicht konkret, es sei allerdings "offensichtlich zu nicht hinnehmbaren Veränderungen der vorgegebenen Reihung" bei den Impfungen gekommen. Der AWO-Verwaltungsrat werde dies prüfen "und gegebenenfalls Konsequenzen herbeiführen", hieß es in einer Stellungnahme.

Der Vorsitzende des AWO-Landesverbandes machte klar, dass es zu missbilligen sei, wenn Impfungen auf die beschriebene Art erschlichen worden seien.

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"Ich erwarte, dass bei Impfungen in AWO-Heimen in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Impfärzten die Vorschriften in jeder Weise eingehalten werden", sagte Bayerns AWO-Chef Thomas Beyer.

Auch führende Mitarbeiter der AWO Schwaben ließen sich impfen

In Pflegeheimen der schwäbischen Arbeiterwohlfahrt (AWO) sollen Impfteams gezielt getäuscht worden sein. (Symbolbild)
In Pflegeheimen der schwäbischen Arbeiterwohlfahrt (AWO) sollen Impfteams gezielt getäuscht worden sein. (Symbolbild)  © Holger Hollemann/dpa

Nach Angaben der Zeitung ließen sich auch der Vorstandsvorsitzende der AWO Schwaben und zwei weitere führende Mitarbeiterinnen impfen. In diesen Fällen verteidigte der Bezirksverband die Impfungen.

Der Vorstandschef führe 25 Heime mit 1900 Bewohnern und 1500 Mitarbeitern und sei beinahe täglich unmittelbar mit den Häusern in Kontakt. Auch die beiden Mitarbeiterinnen seien "immer wieder vor Ort" tätig.

Die bayerische Diakonie machte klar, dass sie in ihren Heimen die Beschäftigten umfassend impfen lasse. Auch Heimleitung, Reinigungskräfte und Mitarbeiter der Buchhaltung erhielten das Angebot. Diese könnten sonst ihre Kolleginnen und Kollegen anstecken, begründete Sprecher Daniel Wagner.

Die Caritas München und Oberbayern kritisierte es als unsozial, dass sich manche bei den Impfungen Vorteile verschaffen wollen.

"Wir halten uns strikt an die Vorgaben und Verordnungen. Die Haltung unseres Vorstands und der Leitungskräfte ist: 'Impfen ja klar - wenn ich dran bin'", teilte die Caritas-Organisation mit.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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