Schwangerschafts-Abbrüche in Sachsen-Anhalt: Land fehlen die Daten

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Grüne kritisieren, dass der Landesregierung ein Überblick über die regionalen Möglichkeiten für ambulante Schwangerschaftsabbrüche fehlt.

Grünen-Abgeordnete Susan Sziborra-Seidlitz (44) stellte aufgrund fehlender Statistiken über Schwangerschaftsabbrüche eine Anfrage an das Gesundheitsamt. (Archivbild)
Grünen-Abgeordnete Susan Sziborra-Seidlitz (44) stellte aufgrund fehlender Statistiken über Schwangerschaftsabbrüche eine Anfrage an das Gesundheitsamt. (Archivbild)  © Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Susan Sziborra-Seidlitz (44) musste das Gesundheitsministerium mehrfach passen.

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung gebe es derzeit 34 ambulant tätige Ärzte und Ärztinnen im Land, die Abbrüche durchführen dürften, heißt es darin. "Die Verteilung der Praxen in den Landkreisen und kreisfreien Städten ist der Landesregierung nicht bekannt."

Laut dem Landes-Krankenhausplan seien die Eingriffe zudem an neun Kliniken möglich. Über die Entwicklungen der durchgeführten Abbrüche in den Landkreisen und kreisfreien Städten habe die Landesregierung keine Kenntnis.

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Zudem lägen ihr auch keine Informationen zu den Behandlungsmethoden im ambulanten und stationären Bereich vor. Angaben gebe es auch nicht dazu, wie weit im Schnitt die Strecke für Schwangere zur Klinik oder Praxis sei.

Die Landtagsabgeordnete Sziborra-Seidlitz verwies auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz, nach dem die Länder ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen für die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen sicherstellen müssen.

Regionale Daten liegen für Sachsen-Anhalt nicht vor

In Sachsen-Anhalt fanden im vergangenen Jahr etwa über 3000 Schwangerschaftsabbrüche statt.
In Sachsen-Anhalt fanden im vergangenen Jahr etwa über 3000 Schwangerschaftsabbrüche statt.  © Jens Büttner/ZB/dpa

"Es muss vor diesem Hintergrund befremden, dass das Land Sachsen-Anhalt so unvollkommen über die Versorgungssituation Auskunft geben kann", erklärte Sziborra-Seidlitz.

Dem Gesundheitsministerium fehlten komplett die Daten zur regionalen Verfügbarkeit ambulanter Möglichkeiten zu einem Schwangerschaftsabbruch.

"Wie die Landesregierung so ihrem gesetzlichen Auftrag zur Sicherstellung eines ausreichenden stationären und ambulanten Angebots nachkommen will, ist schleierhaft. Hier bedarf es dringend der Nachbesserung."

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Die Landesregierung sieht keine Hinweise auf Lücken bei der Versorgung ungewollt Schwangerer, wie sie antwortete.

"Der Landesregierung liegen keine Anhaltspunkte vor, um zu der Ansicht zu gelangen, dass die Sicherstellung der Versorgungssituation für ungewollt Schwangere im Land Sachsen-Anhalt nicht ausreichend sei."

Das Statistische Landesamt hatte Ende April mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr 3075 Schwangerschaftsabbrüche an Frauen mit Wohnsitz in Sachsen-Anhalt durchgeführt worden sind. 1709 Eingriffe fanden demnach in Arztpraxen statt und 1366 in Krankenhäusern. Im Vergleich zum Jahr zuvor waren das 6,1 Prozent Abbrüche weniger.

Auf Nachfrage hieß es im Statistischen Landesamt, regionale Daten lägen nicht vor. Es handele sich um eine zentrale Bundesstatistik.

Titelfoto: Bildmontage: Jens Büttner/zb/dpa , Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

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