WHO-Arzt: Deutschland muss bei G7-Gipfel moralisch Druck machen

Garmisch-Partenkirchen/Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlangt von der Bundesregierung beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern moralischen Druck auf die Vertreter der anderen Industriestaaten.

Der G7-Gipfel - das Treffen von Vertretern der sieben größten Industriestaaten - ist vom 26. bis 28. Juni auf Schloss Elmau geplant.
Der G7-Gipfel - das Treffen von Vertretern der sieben größten Industriestaaten - ist vom 26. bis 28. Juni auf Schloss Elmau geplant.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Es geht um die Finanzierung der Corona-Impf- und Versorgungsprogramme in aller Welt. Deutschland ist der mit Abstand größte Zahler.

"Die Bundesregierung muss den anderen klar sagen: Wir haben unseren fairen Anteil bezahlt, tut ihr es auch", sagte Bruce Aylward, im Führungsteam der WHO zuständig für die Corona-Koordination, der Deutschen Presse-Agentur. Die, die ihren Anteil nicht zahlten, seien Trittbrettfahrer.

Weil die Bundesregierung neben Kanada das einzige Land sei, das seinen fairen Anteil gezahlt habe, dürfe sie sich nicht scheuen, aus einer Position moralischer Autorität zu sprechen. Aylward lobte, dass die weltweite Pandemiebekämpfung für Deutschland trotz Ukraine-Krise weiter Priorität habe.

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Aylward koordiniert für die WHO das Programm ACT Accelerator, das unter anderem Corona-Impfstoffe, Diagnostika und Tests an ärmere Staaten liefert. Im laufenden Jahresbudget bis September 2022 in Höhe von knapp 17 Milliarden Dollar (gut 16 Milliarden Euro) fehlen noch zwölf Milliarden Dollar.

Deutschland hat nach WHO-Angaben mit knapp 1,3 Milliarden Dollar mehr als seinen fairen Anteil gezahlt, Frankreich liegt bei einem Drittel, die USA bei neun Prozent.

Den fairen Anteil hat die WHO unter anderem nach Wirtschaftsleistung sowie Anteil am Welthandel berechnet.

Bei Milliarden ungeschützten Menschen können neue Virusvarianten entstehen

Der kanadische Arzt aus dem WHO-Führungsteam, Bruce Aylward, fordert von der Bundesregierung moralischen Druck auf die Vertreter der anderen Industriestaaten. (Archiv)
Der kanadische Arzt aus dem WHO-Führungsteam, Bruce Aylward, fordert von der Bundesregierung moralischen Druck auf die Vertreter der anderen Industriestaaten. (Archiv)  © EPA/MARTIAL TREZZINI

Impfkampagnen und die Verteilung von Covid-19-Medikamenten in ärmeren Ländern zu finanzieren, sei im Interesse der Industrieländer, betonte Aylward.

Wenn die Pandemie in aufstrebenden Ländern ungebremst weitergehe, schwäche das auch Absatzmärkte. Zudem habe eine schwache Wirtschaft dort Auswirkungen auf die Lieferketten.

Und: "Wenn wir weitere Infektionswellen bekommen, kann das zu Unruhen führen", warnte Aylward. "Wenn Milliarden Menschen nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, kann sich jederzeit eine neue Virusvariante bilden."

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Die Welt müsse die relative Corona-Entspannung in den Ländern mit hohen Impfraten nutzen, um das Virus auch weltweit so weit wie möglich einzudämmen, sagte Aylward.

"In einem Krieg sammeln sich die Truppen in einer Kampfpause neu und verstärken ihre Verteidigung - aber wir machen das Gegenteil und ziehen uns zurück. Statt die Situation zu nutzen, stecken wir den Kopf in den Sand."

Titelfoto: EPA/MARTIAL TREZZINI

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