Zoff um Impfstoff-Lieferung immer irrer: AstraZeneca kontert EU-Vorwürfe!

Brüssel (Belgien) - Der Streit um reduzierte Impfstoff-Lieferungen von AstraZeneca an die Europäische Union wird immer irrer. So schob der Chef des schwedisch-britischen Konzerns der EU die Schuld für den Lieferengpass in die Schuhe, die wehrte sich anschließend empört.

Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca.
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca.  © dpa/PA Wire/Russell Cheyne

"Jetzt müssen die Unternehmen liefern, sie müssen ihre Verpflichtungen einhalten", hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62, CDU) noch am Dienstag angemahnt.

Gemeint waren die Impfstoff-Produzenten, die in den vergangenen Tagen vor allem durch reduzierte Liefermengen in den Schlagzeilen gelandet waren - einer davon AstraZeneca. Ursprünglich sollte das Unternehmen nach der Zulassung seines Impfstoffes (vermutlich am Freitag) 80 Millionen Dosen bis Ende März an die EU liefern, plötzlich waren es nur noch 31 Millionen.

Nicht unsere Schuld, so Chef Pascal Soriot (61) in der "Welt". Er sieht den langsamen Vertragsabschluss mit der EU als Grund für die Lieferengpässe. Die EU wollte seiner Aussage nach zur gleichen Zeit wie Großbritannien beliefert werden, habe den Vertrag aber drei Monate später unterzeichnet. "Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet."

Auch auf der Insel habe es Anfangsprobleme gegeben, aber "wir hatten dort drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben."

Schlimmer Verdacht: Bevorzugt AstraZeneca Großbritannien?

Pascal Soriot, AstraZeneca-Geschäftsführer.
Pascal Soriot, AstraZeneca-Geschäftsführer.  © dpa/EPA/Facundo Arrizabalaga

Die EU wiederum bestreitet wesentliche Aussagen Soriots, wie es aus Kommissionskreisen hieß. Zudem habe man 336 Millionen Euro für Fertigung und Entwicklung vorausbezahlt. Aus Sicht der EU-Kommission hätte AstraZeneca seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff mit Zulassung zur Verfügung steht.

Weiter berichtet unter anderem "Bild" von einem in Brüssel grassierenden Verdacht, dass AstraZeneca insgeheim Großbritannien und andere Nicht-EU-Staaten bevorzugt.

Verwirrung gab es zudem um ein geplantes Krisentreffen am gestrigen Abend, das kurzfristig ab- und wieder neu angesetzt wurde. Ergebnisse standen bis Redaktionsschluss nicht fest.

Titelfoto: Montage: dpa/PA Wire/Russell Cheyne, dpa/EPA/Facundo Arrizabalaga

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