Tanken und Heizen wird ab 2021 teurer: Das musst du wissen

Im Dezember 2019 wurde das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) verabschiedet. Ab 2021 sollen demnach die Kosten für den Ausstoß von CO2 erhöht werden. Doch was genau bedeutet das? Welche Brennstoffe sind betroffen und welche zusätzlichen Kosten kommen jetzt auf die Verbraucher zu? Das neue BEHG einfach erklärt.

Um die Treibhausgasemissionen weiter zu reduzieren, gibt es ab 2021 das neue BEHG (Symbolfoto).
Um die Treibhausgasemissionen weiter zu reduzieren, gibt es ab 2021 das neue BEHG (Symbolfoto).  © pexels/Kelly Lacy

Auch wenn die Corona-Krise die Klimawandeldiskussionen in den Hintergrund gedrängt hat, ist das Problem noch lange nicht aus der Welt geschafft.

Schon seit 2005 gibt es einen Emissionszertifikatehandel in Europa, der dafür sorgen soll, die Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen zu reduzieren. Das bedeutet, die Politik legt fest, wie viel Tonnen CO2 von Unternehmen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie emittiert, also ausgestoßen, werden dürfen.

Diese müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 eine Emissionsberechtigung erwerben. Diese Zertifikate werden in staatlich organisierten Auktionen verkauft und können zwischen den Mitgliedern gehandelt werden.

Stößt eine Firma also weniger CO2 aus, als die Menge erworbener Zertifikate zulassen würde, kann sie die überschüssigen Zertifikate verkaufen.

Somit soll ein finanzieller Anreiz gegeben sein, die eigenen Emissionen zu reduzieren. Die Pflicht, Zertifikate zu kaufen galt bislang nur für die großen Energie- und Industrieanlagen sowie für den Flugverkehr. Beispielsweise sind Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie oder Stromproduzenten betroffen. Ab 2021 wird dieser europäische Emissionshandel durch ein nationales Handelssystem in Deutschland ergänzt. Ein wirksames Preissignal fehlte nämlich bislang in den Sektoren Wärme und Verkehr.

Ein Anreiz, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Öl oder Gas zu reduzieren und klimaschonende Technologien zu fördern, soll durch das neue nationale Emissionshandelssystem (nEHS) entstehen.

Das neue Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) erklärt:

Ab 2021 muss man für klimaschädliches Verhalten extra zahlen
Ab 2021 muss man für klimaschädliches Verhalten extra zahlen  © pixabay, @geralt

Als Grundlage für das nEHS dient das neue BEHG. Ab Januar 2021 wird es hierzulande eine CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe geben. Konkret ist die Rede von den Energieträgern Erdgas, Flüssiggas, Benzin, Diesel, Heizöl und ab 2023 auch Kohle.

Ziel ist es, die Emissionen vor allem im Wärme- und Verkehrssektor zu reduzieren, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Im Übrigen ist Deutschland das erste Land weltweit, dass sich gesetzlich zum Klimaschutz mit dem sogenannten Klimaschutzgesetz verpflichtet hat.

Aber zurück zum BEHG: Im kommenden Jahr wird pro Tonne CO2 eine Gebühr von 25 Euro erhoben. Dieser CO2-Preis soll bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro steigen. Bezahlt werden müssen diese Mehrkosten dieses Mal nicht von demjenigen, der die Emissionen erzeugt, wie beim europäischen Emissionshandel.

Zur Kasse gebeten werden beim nEHS die sogenannten "Inverkehrbringer" der Brenn- und Kraftstoffe, also zum Beispiel die Tankstellenfirmen oder Gasanbieter. Diese zusätzlichen Ausgaben werden auf die Kunden umgelegt.

Was ändert sich für den Verbraucher?

Durch höhere Tankpreise sollen die Bürger dazu bewegt werden sich umweltschonendere Autos zuzulegen.
Durch höhere Tankpreise sollen die Bürger dazu bewegt werden sich umweltschonendere Autos zuzulegen.  © pixabay, @Caniceus

Somit werden die Benzinpreise im ersten Jahr 2021 brutto um etwa sieben Cent pro Liter steigen und die Dieselpreise um acht Cent.

Heizöl wird voraussichtlich um circa 8 Cent teurer pro Liter und Erdgas um ca. 0,6 Cent pro kWh. Die Preise werden in den anschließenden Jahren kontinuierlich steigen. Wer also nicht gerade eine Wärmepumpenheizung oder einen Heizkessel hat, der mit Holzschnitzel oder –pellets beheizt wird, muss mit zusätzlichen Kosten für das Heizen rechnen.

Die Preiserhöhung wird jedoch bei einer Ölheizung deutlich spürbarer sein, als bei einer umweltfreundlicheren Gasheizung.

Die Regierung hofft durch diese Zusatzkosten die Bürger dazu zu bewegen, sich umweltfreundlichere Autos und neue sparsamere Heizungen zuzulegen.

Da diese Mehrkosten selbstverständlich nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen jeglicher Art entstehen, liegt die Vermutung nahe, dass die Preise für Produkte, Dienstleistungen, etc. auch zu einem gewissen Grad steigen werden.

Wofür wird das Geld genutzt?

Anstieg der Nettopreise in den kommenden Jahren.
Anstieg der Nettopreise in den kommenden Jahren.  © DIHK

Im Gegenzug für die Einführung der CO2-Bepreisung wurde eine Reduzierung der Erneuerbare-Energien (EEG)-Umlage angekündigt (durchschnittlicher Strompreis 2020: 31,94 Cent/kWh davon EEG-Umlage: 6,756 Cent/kWh).

Das bedeutet, dass der Strompreis für fast alle in Deutschland günstiger werden müsste. Allerdings ist aufgrund des coronabedingten Einbruchs der Wirtschaft der Stromverbrauch in der Industrie stark zurückgegangen.

Dadurch kam es zu einem Preissturz an der Strombörse, der normalerweise dafür sorgen würde, dass die EEG-Umlage im kommenden Jahr um ein paar Cent steigen würde.

Dem soll durch die Bezuschussung aus dem BEHG entgegengewirkt werden. Ob es tatsächlich zu einer Reduzierung des Endkundenpreises kommt, hängt jedoch auch von der Entwicklung anderer Strompreisbestandteile wie Netzentgelte und Beschaffungskosten ab. Es kann also sein, dass der Endkunde nächstes Jahr auf seiner Stromrechnung kaum eine Veränderung bemerken wird.

Des Weiteren kündigte die Bundesregierung an das Geld zur Erhöhung der Entfernungspauschale für Berufspendler zu nutzen. Demnach sollen 35 statt 30 Cent pro Entfernungskilometer von der Steuer absetzbar sein, allerdings erst ab dem 21. Kilometer.

Ob das neue BEHG tatsächlich dafür sorgt, dass erneuerbare Energien ausgebaut, mehr Energie gespart und auf klimaschonende Technologien, Produkte und Dienstleistungen umgestiegen wird, werden wir ab 2021 sehen. Fakt ist, dass klimaschädliches Verhalten ab Januar teurer wird.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Motnage: pexels/Kelly Lacy, TAG24/Gina Gadis

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