"Peinlich": Linke scheitern mit Verlängerung des 9-Euro-Tickets

Hamburg - Die Linken in der Hamburger Bürgerschaft haben eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets vorgeschlagen. Doch die anderen Parteien lehnen das ab.

Das 9-Euro-Ticket ist ein voller Erfolg. Viele Menschen wünschen sich eine Verlängerung des Angebotes.
Das 9-Euro-Ticket ist ein voller Erfolg. Viele Menschen wünschen sich eine Verlängerung des Angebotes.  © Christian Charisius/dpa

"Wenn es ein Erfolgsmodell in den vergangenen Wochen gab, dann war es das 9-Euro-Ticket", sagte die Abgeordnete Heike Sudmann (60) von den Linken bei der jüngsten Sitzung der Bürgerschaft. Ihre Partei hatte einen Vorstoß für einen günstigeren Nahverkehr unternommen und einen Antrag für eine Verlängerung des 9-Euro-Ticket eingebracht.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hatte mit der Einführung fast ein Drittel mehr Tickets verkauft als sonst. "Das zeigt, dass der Preis eben doch relevant ist", sagte sie.

"Wenn wir Menschen mit geringem Einkommen entlasten sollen, muss es ab September weitergehen."

"Der HVV muss alternativlos werden"

Heike Sudmann (Linke, 60) setzt sich für eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets ein.
Heike Sudmann (Linke, 60) setzt sich für eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets ein.  © Christian Charisius/dpa

Dem Linken-Antrag zufolge sollte das 9-Euro-Ticket bis Ende des Jahres weiter verfügbar sein und ab 2023 von einem 365-Euro-Ticket abgelöst werden, mit dem der Nahverkehr das ganze Jahr genutzt werden könnte. "Ich kann es nicht verstehen, wenn Sie nicht zustimmen. Der HVV muss alternativlos werden."

Der Klimafahrplan sehe vor, dass der Anteil der Fahrgäste bis 2030 verdoppelt werden soll. Natürlich müsse das Netz ausgebaut werden. Aber: "Die Leute nehmen jetzt vermehrt die Bahn. Nicht weil sie ausgebaut ist, sondern weil sie gerade günstig ist."

Der Linken-Antrag sieht zudem vor, dass Inhaber der Sozialkarte den HVV kostenlos nutzen können, ebenso Schüler, Studenten und Auszubildende. Außerdem wird eine Preiserhöhung abgelehnt.

Bargteheide und Schwarzenbek bekommen eigenen Stadtverkehr
Verkehrspolitik Bargteheide und Schwarzenbek bekommen eigenen Stadtverkehr

Perspektivisch sollten Konzepte für einen fahrscheinlosen Nahverkehr erarbeitet werden.

"Den Antrag kann man nur ablehnen"

Ole Thorben Buschhüter (SPD, 46) hält nichts von einer pauschalen Verlängerung des 9-Euro-Tickets.
Ole Thorben Buschhüter (SPD, 46) hält nichts von einer pauschalen Verlängerung des 9-Euro-Tickets.  © Bodo Marks/dpa

Bei den anderen Parteien kam der Vorschlag nicht gut an. "Den Antrag kann man nur ablehnen", sagte Ole Thorben Buschhüter (SPD, 46). "Das 9-Euro-Ticket ist ein auf drei Monate angelegter Verkehrsversuch. Bereits nach vier Wochen Bilanz zu ziehen, ist ein Kunststück, das nur die Linken hinbekommen."

Buschhüter unterstrich, dass das 9-Euro-Ticket ein Erfolg sei. "Keine andere Maßnahme hat so viel gebracht", sagte er. "Man muss sich aber anschauen, ob es das Autofahrten ersetzt, oder ob es nur für mehr Verkehr sorgt", sagte er. "Wenn wir die Mobilitätswende schaffen wollen, können wir nicht für mehr Verkehr sorgen."

Das Ticket habe die Defizite der Bahn offengelegt. Deswegen könne man es nur ablehnen, die Preise radikal zu senken. "Wir müssen Ausbau und Sanierung der Bahn angehen. Das kostet Geld", sagte er. Das sollten die Fahrgäste zwar nicht allein bezahlen. "Wir brauchen aber ein Konzept für die Finanzierung." Es reiche nicht, darauf zu hoffen, dass es schon irgendwie klappe. "Das ist zu wenig. Es ist peinlich, dass Sie hier sowas vorlegen", sagte er.

"Wir sind gespannt, was die Auswertung ergibt." Buschhüter gehe davon aus, dass sich eine breite Diskussion über die Bahn ergeben werde. "Aber einfach zu sagen, 9 Euro für immer, das lehnen wir ab."

Die Abgeordneten der Bürgerschaft stimmten mit großer Mehrheit gegen den Antrag der Linken.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

Mehr zum Thema Verkehrspolitik: