Drei Milliarden Euro! Hamburg soll neuen Bahntunnel bekommen

Hamburg - Der Hamburger Hauptbahnhof ist seit Jahren überlastet. Der Bund möchte nun für gut drei Milliarden Euro einen zweiten S-Bahn-Tunnel bauen und den Verkehr in Deutschlands meistfrequentiertem Fernbahnhof entzerren. 

Eine S-Bahn fährt im Hamburger Hauptbahnhof ein. (Archvbild)
Eine S-Bahn fährt im Hamburger Hauptbahnhof ein. (Archvbild)  © Daniel Reinhardt/dpa

Mit täglich mehr als 500.000 Besuchern in normalen Zeiten ist der Hamburger Hauptbahnhof der mit Abstand meistfrequentierte Fernbahnhof Deutschlands - und ist seit Jahren chronisch überlastet. 

Um den Verkehr zu entzerren, hat der Bund nun eine Machbarkeitsstudie für einen weiteren S-Bahn-Tunnel vorgelegt. Die Gesamtkosten für das Projekt: mehr als drei Milliarden Euro. 

"Wenn wir Mitte der 30er fahren, ist das ehrgeizig, aber machbar", sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (57, CDU), am Donnerstag in Hamburg. 

Obwohl der Bund nach seien Angaben einen großen Teil der Kosten übernehmen würde, erntete er in Hamburg jedoch nicht nur Begeisterung: Verkehrssenator Anjes Tjarks (39, Grüne) sagte: "Die Ideen, die der Bund entwickelt hat, sind ein erster Aufschlag, der nicht nur Lösungen, sondern auch viele Herausforderungen bringt."

Den Planungen des Bundes zufolge soll der 5,4 Kilometer lange Tunnel teilweise unter der Außenalster vom Hauptbahnhof über Stephansplatz, Schlump, Dormannsweg zum künftigen Fernbahnhof Diebsteich führen. 

Hauptbahnhof könnte die zwei S-Bahn-Gleise für den Fernverkehr nutzen

Aktuell führt der sogenannte Citytunnel von Altona über Jungfernstieg zum Hauptbahnhof. (Archivbild)
Aktuell führt der sogenannte Citytunnel von Altona über Jungfernstieg zum Hauptbahnhof. (Archivbild)  © Markus Scholz/dpa

"Es ist grundsätzlich möglich (...) eine vernünftige Lösung für einen S-Bahntunnel zu finden", sagte Thomas Schmiers von der Ingenieurgesellschaft Schüßler-Plan. 

Der Vorteil: Durch den Tunnel könnten die zwei jetzt von der S-Bahn im Hauptbahnhof genutzte Gleise dem Fernverkehr überlassen werden. Gleiches gelte für die dann allerdings noch umzubauende Verbindungsbahn (Dammtor, Sternschanze, Holstenstraße).

Die Kosten für den Tunnel bezifferte Schmiers auf rund 2,82 Milliarden Euro, die für die Ertüchtigung der Verbindungsbahn auf knapp 250 Millionen Euro. 

"Vom Grundsatz her, das kann ich sagen, steht der Bund Gewehr bei Fuß", sagte Ferlemann mit Blick auf die Finanzierung. Wenn es nach ihm alleine ginge, würde er noch in diesem Jahr die zweite ergänzende Studie beauftragen.

Er kündigte an, jetzt mit dem Senat ins Gespräch zu kommen. Hintergrund der Tunnelplanung sind auch die Pläne der Bundesregierung, die Zahl der Passagiere im Nah- und Fernverkehr der Bahn zu verdoppeln und den Marktanteil des Güterverkehrs auf der Schiene auf 25 Prozent zu steigern.

Weitere Reaktionen aus der Politik zum möglichen Tunnelneubau

Anjes Tjarks (39) ist Verkehrssenator in Hamburg und steht dem Projekt kritisch gegenüber.
Anjes Tjarks (39) ist Verkehrssenator in Hamburg und steht dem Projekt kritisch gegenüber.  © Ulrich Perrey/dpa

"Für eine erfolgreiche Mobilitätswende brauchen wir eine Kapazitätserweiterung auf der Schiene, das steht außer Frage", sagte Verkehrssenator Tjarks. Was von den Ideen machbar sei, müsse jetzt erörtert werden. Er zählte dazu unter anderem die Finanzierung, die Streckenführung und den Denkmalschutz.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, Gerrit Fuß, betonte mit Blick auf den vorgeschlagenen Tunnel durch die Innenstadt: "Hier kann seitens des Bundesverkehrsministeriums keine Vorfestlegung ohne Beteiligung Hamburgs stattfinden." 

Bei einem Projekt dieser Größe müssten das Parlament und die breite Öffentlichkeit frühzeitig einbezogen werden. "Wir müssen daher einen Schritt zurückgehen und die Eckpunkte transparent diskutieren, bevor der Prozess weitergeht."

Der SPD-Verkehrsexperte Ole Thorben Buschhüter (44) betonte, die SPD stehe zum Deutschland-Takt und dem Ziel, den Anteil des Schienenverkehrs in Deutschland spürbar zu erhöhen. Ein zweiter S-Bahn-Tunnel könne eine Lösung sein. "Klar ist aber auch: Ein Großprojekt wie dieses ist nicht im Alleingang zu realisieren. Die Planungen können nur gelingen, wenn der Bund und Hamburg an einem Strang ziehen."

CDU-Fraktionschef Dennis Thering (36) warf dem rot-grünen Senat vor, sich bislang viel zu wenig mit dem Bahnverkehr beschäftigt zu haben. "Ohne den Bund wären wir auch heute keinen Schritt weiter." Seine Fraktion begrüße die Idee einen zweiten Tunnels ausdrücklich. "Wichtig ist es dabei, dass das Projekt von vornherein solide durchfinanziert wird."

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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