Verbraucher-Zentrale macht konkreten Vorschlag: Kommt jetzt das 29-Euro-Ticket?

Berlin - Die Verbraucherzentralen fordern auch als Entlastung von steigenden Preisen ein Anschluss-Angebot für die 9-Euro-Tickets im bundesweiten Nahverkehr.

Die roten Züge, aber auch Busse und Bahnen, sollen erschwinglicher werden, fordern die Verbraucherzentralen.
Die roten Züge, aber auch Busse und Bahnen, sollen erschwinglicher werden, fordern die Verbraucherzentralen.  © dpa/Monika Skolimowska

Die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Jutta Gurkmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein leicht buchbares Ticket für alle Busse und Bahnen im Nahverkehr sollte für einen monatlichen Preis von 29 Euro, also rund einen Euro pro Tag, angeboten werden. "Das würde in der Preiskrise alle entlasten, insbesondere aber Haushalte mit wenig Geld, und zudem der nötigen Verkehrswende mehr Schub geben."

Die 9-Euro-Tickets gelten im Juni, Juli und August und ermöglichen jeweils für einen Monat beliebig viele Fahrten in Bussen und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs in ganz Deutschland - viel günstiger als normale Monatstickets, die zudem nur im Verbundbereich gelten.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (52, FDP) und Bahnchef Richard Lutz (58) wollen sich am heutigen Mittwoch zur Zukunft der Schiene und zu einer besseren Organisation von Baustellen für weniger Zugverspätungen äußern.

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Die Verbraucherzentralen fordern, die Bundesregierung müsse eine Weiterentwicklung des erfolgreichen 9-Euro-Tickets für ein nötiges weiteres Entlastungspaket aufgreifen. Dabei sei angesichts weiter steigender Energiepreise bei der Gasversorgung ein Umdenken nötig.

Maßnahmen sollen Unternehmen nicht stärker bevorteilen als Privatpersonen

Mit dem 9-Euro-Ticket sind günstige Ausflüge durch ganz Deutschland möglich.
Mit dem 9-Euro-Ticket sind günstige Ausflüge durch ganz Deutschland möglich.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

So müsse die Koalition finanzielle Hilfen wie den Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger an die tatsächliche Preisentwicklung koppeln. "Es braucht ein dynamisches Modell mit Verbindung zur Preisrealität", sagte Gurkmann.

"Würden sich zum Beispiel die Zusatzkosten für die Gaspreise noch einmal verdoppeln, müsste die Bundesregierung auch den Heizkostenzuschuss und andere Transferleistungen entsprechend anheben."

Viele stünden jetzt schon finanziell mit dem Rücken zur Wand - vor allem Menschen mit wenig Einkommen, Rentnerinnen und Rentner und zunehmend auch Menschen mit mittlerem Einkommen.

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Die Bundesregierung dürfe zudem Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ungleich behandeln. Es könne nicht sein, dass die Politik Unternehmen mit Anreizen zum Energiesparen bewegen wolle, privaten Haushalten aber geringere Heiztemperaturen verordnet werden könnten.

Maßnahmen müssten für alle gleichermaßen gelten. "Ansonsten hat das gravierende Auswirkungen auf die Akzeptanz der Maßnahmen."

SPD-Linke für Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets oder 365-Euro-Ticket

Sebastian Roloff (39, SPD) ist für eine Fortführung des 9-Euro-Tickets.
Sebastian Roloff (39, SPD) ist für eine Fortführung des 9-Euro-Tickets.  © dpa/Bernd von Jutrczenka

Die SPD-Linke hat sich nach dem geplanten Ende des 9-Euro-Tickets für eine Fortsetzung vergünstigter Angebote ausgesprochen.

Er könne sich sowohl eine Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets als auch "ähnliche Modelle, wie zum Beispiel das 365-Euro-Jahresticket, vorstellen", sagte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff (39) dem Handelsblatt vom Mittwoch. Er äußerte sich vor dem Koalitionsausschuss der Ampelparteien am Abend, bei dem es um weitere Entlastungen gehen könnte.

Roloff plädierte zudem für "Tankgutscheine für Pendlerinnen und Pendler, die noch gezielter wirken als der Tankrabatt". Das 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr und der sogenannte Tankrabatt gelten seit Juni und sind bis Ende August befristet.

Schon mehrfach gab es in der Vergangenheit Forderungen, derlei Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger zu verlängern, vor allem von Seiten der Grünen.

Preise für Strom und Gas sollten zudem "vorübergehend staatlich gedeckelt werden, wie zum Beispiel in Frankreich", sagte Roloff dem "Handelsblatt". Zur Gegenfinanzierung schlug er eine zeitlich begrenzte Sondersteuer auf übermäßige Gewinne und ein erneutes Aussetzen der Schuldenbremse vor.

Titelfoto: dpa/Monika Skolimowska

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