Verkehrsdaten beweisen: Weniger Staus wegen 9-Euro-Tickets!

Berlin - Auch wenn es in den vergangenen Tagen und Wochen hier und da leise Kritik am 9-Euro-Ticket gab, so sind seine positiven Auswirkungen, nicht nur auf die Geldbörse unzähliger Bus- und Bahnfahrer, sondern auch auf den restlichen Straßenverkehr nicht zu bestreiten. Das unterstrichen nun einmal mehr die Verkehrsdaten für den Juli.

Auch in Dresden gab es im Juli deutlich weniger bzw. kürzere Staus.
Auch in Dresden gab es im Juli deutlich weniger bzw. kürzere Staus.  © Eric Münch

Zuletzt musste das Ansehen des Sondertickets massiv leiden. Zunächst bezeichnete Finanzminister Christian Lindner (43, FDP) es als "nicht fair" gegenüber den Menschen auf dem Land. Er sprach außerdem von einer "Gratismentalität", für die kein Platz sei im öffentlichen Nahverkehr.

Dann wurde auch noch bekannt, dass der Umsteigeeffekt gar nicht so groß war wie erhofft. Klimafreundlicher sei der Verkehr aktuell, die Daten würden aber auch zeigen, "dass mit dem 9-Euro-Ticket mehr Verkehr erzeugt und vor allem kaum verlagert wird", sagte Philipp Kosok vom Interessenverband Agora Verkehrswende gegenüber der dpa.

Doch selbst wer in den vergangenen Wochen weiterhin das Auto nutzte, bekam die positiven Auswirkungen des 9-Euro-Tickets zumindest indirekt zu spüren. Das zeigte eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Demnach galt für den Juli (wie für den Juni): Es gab deutlich weniger Staus als vor der Zeit des 9-Euro-Tickets.

So krass wirkte sich das 9-Euro-Ticket auf das Stau-Vorkommen aus

Nicht nur die Bahnfahrer profitierten vom 9-Euro-Ticket.
Nicht nur die Bahnfahrer profitierten vom 9-Euro-Ticket.  © DPA/Arne Dedert

Die Daten belegen, dass in den meisten deutschen Großstädten die Zeit abnahm, die Autofahrer damit verbrachten, im Stau zu stehen.

In Dresden waren die Pkw-Fahrer im Juli beispielsweise durch Staus 33 Prozent länger unterwegs. Das mag vielleicht nach viel Zeit klingen, doch im Mai sind es sogar 37 Prozent zusätzliche Zeit im Verkehr durch Staus gewesen!

Die größten Unterschiede gab es in indes in Stuttgart (Juli 30 Prozent, Mai 36 Prozent) und vor allem in Wiesbaden (36 Prozent statt 49!).

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"In zwölf der 14 untersuchten Städte kamen Autofahrer im Juli besser voran als im Mai. Lediglich in Bremen und in Karlsruhe haben Autofahrer etwas mehr Zeit durch Stau und Verkehr verloren", sagte TomTom-Verkehrsexperte Ralf-Peter Schäfer.

Wenn also sowohl Bahnfahrer (finanziell), als auch Autofahrer (zeitlich) vom 9-Euro-Ticket profitieren, sollte doch einer Weiterführung des Projekts, in welchem Maße auch immer, nichts mehr im Wege stehen, oder?

Wäre da nur nicht das Problem der Kosten, wie unter anderem Finanzminister Lindner behauptet.

Titelfoto: Eric Münch

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