So will Hessen in Zukunft gegen Rettungsgassen-Rowdys vorgehen

Wiesabden/Darmstadt - Was angesichts leerer Straßen in der Corona-Krise derzeit kein Problem ist, treibt Rettern auf den sonst verstopften Straßen in Hessen die Zornesröte ins Gesicht: Blockierer in Rettungsgassen. 

Eine Action-Cam ist an der Frontscheibe eines Polizeifahrzeugs zum Aufzeichnen eines Polizei-Einsatzes montiert (Symbolbild).
Eine Action-Cam ist an der Frontscheibe eines Polizeifahrzeugs zum Aufzeichnen eines Polizei-Einsatzes montiert (Symbolbild).  © dpa/Andreas Arnold

In Hessen kontrollieren Videostreifen seit 2017, ob sich Auto- oder Brummifahrer an die Vorgaben halten. Seither konnten dem hessischen Innenministerium zufolge dank dieser Videoaufnahmen 97 Verstöße festgestellt und auch geahndet werden. Der Einsatz der Technik soll in diesem Jahr noch ausgebaut werden.

Autofahrer klemmen sich in Rettungsgassen hinter Einsatzfahrzeuge, um im Stau schneller voranzukommen. In anderen Fällen kommen Helfer nicht durch, weil im Stau Wartende einfach keine Fahrbahn freilassen, auf der Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter zu Unfallopfern fahren können. 

Einsatzkräfte müssen in halsbrecherischen Manövern auf der Gegenfahrbahn als Geisterfahrer zum Unfallort, Autofahrer nutzen Rettungsgassen als Wendespur im Stau. "Bei einem Unfall zählt jede Minute", sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Doch immer wieder gebe es unbelehrbare Verkehrsteilnehmer, welche die Rettungsgasse blockieren. 

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Dies müsse konsequent geahndet werden. "Die Polizei hat dank der innovativen Videostreifen die Möglichkeit - ohne Zeitverlust -, Verstöße auf der Fahrt zur Unfallstelle beweissicher aufzuzeichnen und auf diese Art und Weise die Rettungsgassen-Blockierer zur Rechenschaft zu ziehen."

In Hessen hat die Polizei seit 2017 dem Innenministerium zufolge verschiedene Videosysteme in den Präsidien Frankfurt, Mittelhessen und Südhessen getestet. Fahrzeuge seien jeweils mit einer Front- und einer Heckkamera ausgerüstet worden. Ende vergangenen Jahres sei die Pilotphase erfolgreich abgeschlossen worden. 

Aufrufe von Rundfunksender, Banner, Flyer und Aufkleber helfen bei der Sensibilisierung

Ein neun Meter langes Banner mit der Aufschrift "Rettungsgasse" hängt an einer Brücke über der Autobahn A5 bei Eschborn.
Ein neun Meter langes Banner mit der Aufschrift "Rettungsgasse" hängt an einer Brücke über der Autobahn A5 bei Eschborn.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Derzeit seien zwölf Streifenwagen mit der Technik ausgerüstet. 2020 sollten vier weitere Fahrzeuge mit Videosystemen ausgestattet werden.

Weitere Präventionsmaßnahmen wie Flyer, Aufkleber oder Brückenbanner hätten sich bewährt. Zahlreiche Einsatzkräfte haben nach Angaben des Ministeriums berichtet, dass sich das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer verbessert hat. Hessen arbeitet zudem daran, ausländische Lkw-Fahrer beim Bilden von Rettungsgassen auf Autobahnen zu unterstützen.

Seit August 2018 läuft ein Pilotprojekt mit einem Funkwarnsystem. Lkw-Fahrer sollen über Funk hingewiesen werden, an Unfallstellen eine Rettungsgasse zu bilden. Da auf Hessens Autobahnen viele ausländische Fernfahrer unterwegs sind, werden die Warnfunksprüche in acht verschiedenen Sprachen gesendet.

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"Es klappt ja in der Regel", sagte der Sprecher des ADAC, Oliver Reidegeld. Hilfreich seien hier sicherlich auch die Aufrufe der Rundfunksender. Es sei wohl weniger ein mutwilliges Problem, viele würden es einfach vergessen. "Ein Verhalten, das man auf gar keinen Fall tolerieren kann, ist, wenn jemand in einer Rettungsgasse wendet." Höhere Strafen seien sicher ein geeignetes Mittel, aber das müsse halt auch jemand durchsetzen.

Seit 2017 gelten mit einem Bußgeld von mindestens 200 Euro, Punkten in Flensburg und einem möglichen Fahrverbot drastischere Strafen bei Verstößen.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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