Einigung im Tarif-Streit gefunden! IG Metall handelt "fairen Kompromiss" aus

Düsseldorf - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall noch vor Ostern einen weiteren Lösungsversuch unternehmen.

Die IG Metall fordert mehr Geld für die Beschäftigten.
Die IG Metall fordert mehr Geld für die Beschäftigten.  © Andreas Rosar/dpa

Der Vorstand der Gewerkschaft fordere die Beteiligten im Bezirk Nordrhein-Westfalen auf, die Verhandlungen am Montag in Düsseldorf fortzuführen, teilte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, Jörg Hofmann, am Freitagabend nach Beratungen in der Tarifkommission und mit dem Vorstand der IG Metall mit.

Einen Abschluss um jeden Preis gebe es nicht.

Zuvor hatte auch die sechste Verhandlungsrunde in dem festgefahrenen Konflikt zu keiner Einigung geführt. Arbeitgeber und IG Metall gingen am frühen Freitagmorgen nach rund zwölfstündigen Verhandlungen ohne Ergebnis auseinander.

Die Arbeitgeber hatten nach eigenen Angaben für das Jahr 2021 eine Einmalzahlung von 350 Euro angeboten.

Die Gewerkschaft wies dies als "völlig unzureichend zurück". Das Angebot würde "Reallohnverluste für die Beschäftigten bedeuten", sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler.

Eine weitere Annäherung gab es nach Gieslers Worten bei den Themen Beschäftigungssicherung und Zukunftstarifverträge. Auch der Präsident des Verbands der Metall- und Elektroindustrie NRW, Arndt G. Kirchhoff, sagte, Arbeitgeber und Gewerkschaft hätten sich "in einigen Punkten durchaus angenähert".

IG Metall verhandelt für 3,8 Millionen Beschäftigte

Die Arbeitgeber forderten die Einbeziehung des kommenden Jahres in den Tarifvertrag. "Wenn sich die IG Metall bereiterklärt, das Jahr 2022 in der Tarifrunde zu regeln, werden wir ihr eine bezifferte Tabellenerhöhung für das kommende Jahr anbieten", sagte Kirchhoff. Diese Zusage habe die IG Metall jedoch bisher nicht gegeben.

Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 3,8 Millionen Beschäftigten, von denen etwa 700.000 in NRW arbeiten, vier Prozent mehr Lohn - wo es in einem Betrieb schlecht läuft, auch in Form von Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit.

Update, 8.30 Uhr: Tarifeinigung für Stahlbranche, Einmalzahlungen vereinbart

Bei den Tarifverhandlungen für die nordwestdeutsche Stahlindustrie gibt es eine Einigung über einen neuen Tarifvertrag. Arbeitgeber und IG Metall vereinbarten am Samstagmorgen Einmalzahlungen für die rund 70.000 Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, wie beide Seiten mitteilten.

Die Beschäftigten erhalten zum 30. Juni 2021 eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro. Daneben vereinbarten Arbeitgeber und Gewerkschaft eine weitere Einmalzahlung von 600 Euro, die zunächst in Teilbeträgen überwiesen und ab 2023 jedes Jahr ausgezahlt wird.

Diese wiederkehrenden Zahlungen können zur Beschäftigungssicherung in Freizeit umgewandelt werden. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Mai 2022.

Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, nannte die Einigung "einen verantwortungsvollen und fairen Kompromiss". Die Löhne und Gehälter stiegen durch den neuen Tarifvertrag dauerhaft. Positiv sei auch, dass die Auszubildenden und die unteren Entgeltgruppen überproportional von diesem Verhandlungsergebnis profitierten.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Stahl, Heinz Jörg Fuhrmann, sagte, der Tarifvertrag diene dem Erhalt der finanziellen Handlungsfähigkeit der Unternehmen angesichts der existenzbedrohenden Substanzverluste in der Corona-Krise.

Titelfoto: Andreas Rosar/dpa

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