Endlich mehr Geld! Was könnte eine Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro bedeuten?

Deutschland - Kaum zu fassen! Mehrere Millionen Menschen müssen in Deutschland für wenig Geld hart schuften. Dagegen wollen die Ampel-Parteien aber jetzt etwas unternehmen: Sie wollen den Mindestlohn auf 12 Euro anheben.

Schon seit Jahren fordern viele einen besseren gesetzlichen Mindestlohn.
Schon seit Jahren fordern viele einen besseren gesetzlichen Mindestlohn.  © picture alliance/dpa

Laut Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung hat Deutschland einen der größten Niedriglohnsektoren in ganz Europa. 2018 arbeiteten rund 7,7 Millionen Menschen an oder unter der Niedriglohnschwelle von 11,40 Euro die Stunde - knapp 21,7 Prozent aller Beschäftigten also.

Diese Zustände will die angehende Ampel-Koalition nun aber verändern: In ihren Sondierungsgesprächen haben sie eine Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro die Stunde beschlossen.

Diese Änderung würde vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern von Minijobs und zum Beispiel Beschäftigten in der Paketzustellung und der Gastronomie entgegenkommen - Branchen, die für niedrige Löhne bekannt sind.

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Besonders im letzten Jahr mussten viele mit geringem Einkommen kämpfen: Menschen im Niedriglohnsektor waren von den ökonomischen Folgen der Pandemie besonders hart betroffen. Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen mit einem Netto-Haushaltseinkommen von unter 1500 Euro berichteten Einkommens-Verluste. Oft haben schlecht bezahlte Jobs nämlich prekäre Arbeitsverhältnisse und das seltene Kurzarbeitergeld war entsprechend wenig.

Ein Anstieg des Mindestlohns könnte für Millionen von Menschen also eine enorme Entlastung sein.

Eine einfache Erhöhung des Mindestlohns reicht nicht aus

Besonders Paketzusteller und -zustellerinnen würden von einem höheren Mindestlohn profitieren. Der Zoll kontrolliert die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns allerdings nur wenig.
Besonders Paketzusteller und -zustellerinnen würden von einem höheren Mindestlohn profitieren. Der Zoll kontrolliert die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns allerdings nur wenig.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Nicht alle sind von der Idee von höheren Mindestlöhnen begeistert. Einige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beklagen, dass ihnen durch höhere Löhne ihre Wettbewerbsfähigkeit abhandenkommen würde. Unter anderem der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) warnte vor den Arbeitsplatzverlusten aufgrund der geplanten Mindestlohnerhöhung.

ver.di lehnte diese Aussagen aber kategorisch ab. "Es ist nicht hinnehmbar, wenn Geschäftsmodelle von Unternehmen auf Hungerlöhnen für Beschäftigte beruhen, die weder durch Tarifverträge geschützt noch vom Mindestlohn erfasst werden sollen", sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis dazu.

Aber auch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich mehr als bloß einen höheren Mindestlohn.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat festgestellt, dass Löhne seit der Einführung des Mindestlohns gestiegen, aber Arbeitszeiten gekürzt worden sind. Somit haben viele Beschäftigte weiterhin den gleichen Monatslohn erhalten, obwohl sie gerne mehr gearbeitet hätten.

Durch einen höheren Mindestlohn hätte es auch eine Verschiebung der Arbeiterinnen und Arbeitern von kleine in große Unternehmen gegeben, berichtete die taz. "Kleine Unternehmen haben oft nicht die Möglichkeit, ihre Kostenstrukturen einem höheren Mindestlohn anzupassen", sagte DIW-Forscherin Dr. Alexandra Fedorets. Auch bei der Umsetzung des neuen Mindestlohns gebe es ihrer Meinung nach Probleme. Unter anderem gibt es vom Zoll nicht genügend Kontrollen dagegen.

Fedorets steht außerdem der geplanten Erweiterung von Mini- und Midijobs äußerst kritisch gegenüber. Dieses Vorhaben würde dem Ziel von mehr sozialversicherten Vollzeitjobs komplett entgegenwirken, meinte sie.

Titelfoto: picture alliance/dpa

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