Nächster Hammer! Nach Rente mit 70 fordert Institut weniger Urlaub für Arbeitnehmer!

Köln - Auf den Renten-Schock folgt der Urlaubs-Schock! Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) möchte deutschen Arbeitnehmern ihren Urlaub kürzen. Erst vor wenigen Tagen hatte das Institut einen Rentenbeginn mit 70 Jahren gefordert und damit für ordentlich Aufsehen gesorgt.

Die deutschen Arbeitnehmer haben zu viel Urlaub! Diese Meinung vertritt zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.
Die deutschen Arbeitnehmer haben zu viel Urlaub! Diese Meinung vertritt zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.  © Stefan Sauer/dpa

Durch die Corona-Krise ist die Schuldenquote von 60 auf 75 Prozent gestiegen. In den öffentlichen Kassen klaffen tiefe Finanzlöcher. Um diese zu stopfen, fordert das IW nun längere Arbeitszeiten. Die Idee stelle eine vielversprechende Alternative zu einer Erhöhung der Steuern auf die jährliche Arbeitsleistung von Millionen Menschen dar.

Heißt im Klartext: Die Deutschen sollen mehr arbeiten und weniger Urlaub machen! Frei nach dem Motto des 1983er-Hits "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt" sollen Arbeitnehmer laut der Studie des IW in Zukunft 36 Stunden pro Woche ihre Hände befeuchten (statt durchschnittlich 34 im Jahr 2019).

Auch dem Urlaub geht es an den Kragen. Insgesamt eineinhalb Wochen sollen wegfallen! Ein echter Hammer! Bisher arbeiten Beschäftigte hierzulande deutlich weniger als ihre Kollegen etwa in Schweden und der Schweiz, also in Ländern, die oftmals als Vorbild für den Arbeitsmarkt gelten, wie das IW zeigt.

Höhere Wochenarbeitszeiten kein Garant für höhere Produktivität

Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, könnte die Arbeitsleistung pro Jahr steigen.
Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, könnte die Arbeitsleistung pro Jahr steigen.  © Uwe Anspach/dpa

In diesen Nationen liegt der durchschnittliche Urlaubsanspruch bei 25 Tagen, während deutsche Arbeitnehmer in der Regel rund 31 Tage im Jahr die Füße hochlegen dürfen. Ließe sich diese Arbeitszeitlücke schließen, könnte auch das die deutschen Haushaltslöcher stopfen.

Ein weiterer Ansatz ist die Reduzierung von Teilzeit. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, könnte die Arbeitsleistung pro Jahr ebenfalls steigen. 7,7 Milliarden zusätzliche Arbeitsstunden im Jahr könnten innerhalb einer Dekade eine um sechs Prozent höhere Wirtschaftsleistung erzeugen.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer (54) sagte gegenüber der Bild: "Höhere Wochenarbeitszeiten führen nicht automatisch zu höherer Produktivität." Sein Vorschlag: Flexiblere Arbeitszeiten und individuelle Vereinbarungen in den Betrieben.

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Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther (59), bläst in ein anderes Horn. "Die finanziellen Lasten aus der Pandemie können wir jahrzehntelang vor uns herschieben – oder wir nutzen Potenziale, die bisher brachliegen", so der Wirtschaftsforscher im Bild-Interview.

"Um die Krisenfolgen zu bewältigen, müssen wir jetzt alle mit anpacken."

Titelfoto: Stefan Sauer/dpa

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