Krieg gegen die Herero und Nama: Bundesregierung will Kolonialverbrechen als Völkermord anerkennen

Windhuk/Berlin - Nach jahrelangen Verhandlungen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit haben sich die Bundesrepublik und Namibia laut Deutschlandfunk auf ein Rahmenabkommen geeinigt.

Reiter der sogenannten kolonialen Schutztruppe beim Gewehrreinigen in Swakopmund (vor 1910).
Reiter der sogenannten kolonialen Schutztruppe beim Gewehrreinigen in Swakopmund (vor 1910).  © CD-ROM Deutsche Kolonien in Farbfotografien

Ueriuka Tjikuua von der namibischen Delegation teilte der Deutschen Presse-Agentur nach Abschluss der jüngsten Gesprächsrunde am Samstag in Berlin mit, ein entsprechender Verhandlungsbericht werde nun den jeweiligen Regierungen und Gremien vorgelegt.

Das solle im Laufe der kommenden Woche geschehen. Vertreter der Volksgruppen der Herero und der Nama verlangen die offizielle Entschuldigung für zur Kolonialzeit begangene Verbrechen sowie auch eine finanzielle Wiedergutmachung.

Laut Deutschlandfunk ist die Bundesregierung nun bereit, die Tötung Zehntausender Menschen in der Ex-Kolonie Deutsch-Südwestafrika aus heutiger Sicht als Völkermord anzuerkennen.

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Geplant sei zudem, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65) bei einem Festakt im namibischen Parlament offiziell um Entschuldigung bitten wird. Ruprecht Polenz (CDU), der Verhandlungsführer der deutschen Seite, wollte das ebenso wenig bestätigen noch dementieren wie der namibische Unterhändler Tjikuua. "Wir haben seit einiger Zeit mit der namibischen Seite Vertraulichkeit vereinbart und werden uns daran halten", sagte Polenz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug die Aufstände von zwei Volksgruppen brutal nieder. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet. Seit Jahren verhandeln beide Regierungen darüber, wie eine Wiedergutmachung aussehen soll.

Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia gerieten durch Corona ins Stocken

Gefangene Herero in Ketten (um 1904).
Gefangene Herero in Ketten (um 1904).  © Ullstein Bilderdienst/Wikipedia
Tausende Herero verdursteten in der Wüste, die unter dem Befehl des Generalleutnants Lothar von Trotha abgeriegelt wurde.
Tausende Herero verdursteten in der Wüste, die unter dem Befehl des Generalleutnants Lothar von Trotha abgeriegelt wurde.  © YU Jixin/123RF

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (65, CSU) hatte bei einem Besuch in Windhuk erklärt, Deutschland habe eine historische Verantwortung und stehe zu daraus erwachsenden Verpflichtungen. Zuletzt waren die Gespräche durch ein von Namibia abgelehntes Entschädigungsangebot, aber auch Beschränkungen durch die Corona-Krise ins Stocken geraten.

Titelfoto: YU Jixin/123RF, Ullstein Bilderdienst/Wikipedia

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