Vergewaltigung bei der Bundeswehr? Hauptfeldwebel verurteilt!

Gera - Die Vorwürfe waren heftig: Ein Hauptfeldwebel der Bundeswehr soll unter anderem eine Soldatin in der Geraer Pionierkaserne vergewaltigt haben. Nach drei Prozesstagen verkündete das Amtsgericht am Dienstag das Urteil. 

Der Eingang zum Justizzentrum Gera.
Der Eingang zum Justizzentrum Gera.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Das Amtsgericht Gera hat einen Hauptfeldwebel der Bundeswehr wegen sexueller Belästigung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde der 46-Jährige dagegen freigesprochen. 

Zu den Vorfällen sei es im Rahmen von sexuellen Beziehungen zwischen dem Angeklagten und den beiden Soldatinnen gekommen, sagte Richter Siegfried Christ am Dienstag in der Urteilsbegründung. 

Außerdem bezog das Gericht Chatnachrichten mit in sein Urteil ein, die sich der Angeklagte mit den Frauen geschrieben hatte. Sie ließen das Vorgefallene in einem anderen Licht erscheinen, erklärte Christ.

Vorwurf der Vergewaltigung konnte sich nicht bestätigen

Der Vorwurf der Angeklageschrift hatte Vergewaltigung gelautet. Demnach sollte der Mann einer Soldatin mit der Weitergabe von Intimfotos gedroht und Sex von ihr verlangt haben. Dazu soll es dann in der Geraer Pionierkaserne auch gekommen sein. 

Das Gericht ging nun aber davon aus, dass der Sex einvernehmlich war. Zur Drohung und Weitergabe der Bilder an eine Kameradin war es den Angaben nach erst später im Herbst 2017 gekommen. Deswegen wurde der 46-Jährige auch der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen schuldig gesprochen.

Eine andere Soldatin sollte er laut Anklage gegen ihren Willen auf den Mund geküsst sowie ihre Hand in seinen Schritt geführt haben. Das wertete das Gericht auch mit Blick auf die vorangegangene Sexualbeziehung zwischen beiden als sexuelle Belästigung.

Prozess sorgte für Bundesweite Aufmerksamkeit

In der Geraer Pionierkaserne kam es zum Sex zwischen dem Hauptfeldwebel und einer Soldatin.
In der Geraer Pionierkaserne kam es zum Sex zwischen dem Hauptfeldwebel und einer Soldatin.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Der Prozess war bundesweit auf große Aufmerksamkeit gestoßen. Richter Christ führte dies vor allem darauf zurück, dass sich die Vorfälle bei der Bundeswehr zugetragen hatten. "Das hätte aber auch bei jeder anderen Firma sein können", betonte er am Dienstag.

Mit Verweis auf den Schutz der Intimsphäre der Opfer fand die Verhandlung deswegen in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Aussagen der beiden Soldatinnen, die Verlesung von Chats sowie die Plädoyers von Anklage und Verteidigung erfolgten jeweils hinter verschlossenen Türen.

Laut dem Richter hatten sich bei den Aussagen "Anhaltspunkte für nicht unerhebliche Widersprüche" ergeben. Seinen Angaben nach hatte der Hauptfeldwebel zudem Reue gezeigt und am dritten Verhandlungstag schließlich Sex mit der Kameradin gestanden.

Dies sei aber einvernehmlich gewesen, ließ er über seinen Anwalt erklären. Auch die Belästigungen einer Soldatin sowie die Weitergabe von intimen Bildern gestand er.

Als Strafe muss der Hauptfeldwebel nun 140 Tagessätze zu 40 Euro - insgesamt also 5600 Euro - zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig. Nach eigenen Angaben ist er seit Bekanntwerden der Vorwürfe bei der Bundeswehr vorläufig vom Dienst freigestellt. 

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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