Stimmen werden lauter! Braucht die Bundeswehr noch deutlich mehr Geld?

Berlin - Kaum, dass das 100 Milliarden Sondervermögen den Bundestag passiert hat, fordert CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (51) erneut mehr Geld für die Bundeswehr - diesmal aber dauerhaft. "Wir brauchen etwa 20 Milliarden Euro mehr pro Jahr, als der aktuelle Verteidigungshalt beträgt", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Es darf keine Abbruchkante geben, wenn die 100 Milliarden Euro aufgebraucht sind."

CSU-Mann Alexander Dobrindt (51) will mehr Geld für die Truppe.
CSU-Mann Alexander Dobrindt (51) will mehr Geld für die Truppe.  © Britta Pedersen/dpa

Die Bundeswehr brauche keine Einmalüberweisung, sondern einen Dauerauftrag für ihre Verteidigungsfähigkeit, so Dobrindt weiter. "Das Sondervermögen macht nur zusammen mit der Entscheidung Sinn, das Zwei-Prozent-Ziel der NATO einzuhalten. Nach dem Aufbrauchen des Sondervermögens müssen die hohen Investitionen fortgeführt werden."

Abseits der Dobrindt-Aussagen hat CDU-Generalsekretär Mario Czaja (46) Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Union Schuld am schlechten Zustand der Bundeswehr sei.

"Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Vorschläge eingebracht, um die Bundeswehr zu stärken und den Wehretat zu erhöhen. Diese sind regelmäßig von der SPD, unserem Koalitionspartner damals, abgebügelt worden", so Czaja zur "Rheinischen Post".

Leopard-Lieferung bereitet Sorge: "Gut für die Ukraine, schlecht für die Bundeswehr"
Bundeswehr Leopard-Lieferung bereitet Sorge: "Gut für die Ukraine, schlecht für die Bundeswehr"

Auch in der Gesellschaft habe es lange keine Mehrheit für eine Stärkung der Bundeswehr gegeben. "Alle wähnten sich in einer stabilen Friedensordnung. Das gehört zur Wahrheit dazu."

Klingbeil mahnt "Mut zur Entscheidung" an

SPD-Chef Lars Klingbeil (44) nimmt alle Seiten in die Pflicht.
SPD-Chef Lars Klingbeil (44) nimmt alle Seiten in die Pflicht.  © Moritz Frankenberg/dpa

Auch von der SPD äußerte sich mit Parteichef Lars Klingbeil (44) eine prominente Stimme zur Bundeswehr und deren Finanzierung. Im Gespräch mit den "Funke"-Zeitungen mahnte der mit Blick auf das 100 Milliarden Sondervermögens einen "Mut zur Entscheidung" an.

"Das Beschaffungsamt der Bundeswehr muss schnell Entscheidungen treffen können – und nicht jahrelang etwa nach dem ultimativen Rucksack für die Truppe suchen."

Auch die Ansage an die Rüstungskonzerne sei eindeutig: "Die Firmen haben jahrelang versucht, uns für die Bundeswehr "Goldrandlösungen" mit vielen Extras aufzudrücken. Das geht nicht mehr, notfalls kaufen wir im Ausland." Dann habe die "deutsche Rüstungsindustrie Pech gehabt".

Der Bundestag hatte am Freitag den Weg für das Sondervermögen freigemacht.

Titelfoto: Emad Aljumah/Moment RF/Boeing/dpa

Mehr zum Thema Bundeswehr: