"Rückgratlose Wendehälse": AfD-Meuthen attackiert Söder und Seehofer wegen Asylpolitik

Stuttgart - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (53, CSU) galt als scharfer Kritiker von Kanzlerin Angela Merkel 66, CDU) in Sachen Asylpolitik. Dann folgte die Rolle rückwärts. AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen packt da die Wut!

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.
AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.  © Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab Söder noch den markigen Kerl in Sachen Zuwanderung. Im Jahr 2018 war das, kurz vor der bayerischen Landtagswahl.

Während Merkel sich damals für eine europäische Lösung einsetzte, gab der Bayer den Vertreter deutscher Interessen. 

"Seit drei Jahren werden Gespräche geführt, die leider wenig gebracht haben. Die europäische Lösung sieht faktisch so aus, dass die meisten Asylbewerber, die nach Europa kommen, sich auf den Weg nach Deutschland machen", wurde Söder in der Welt zitiert.

Und er forderte: "Wir müssen endlich den Asyltourismus beenden."

Auch ein deutscher Alleingang war für den 53-Jährigen kein Problem, wie die Zeit berichtete: "Ich glaube, dass erst dann Bewegung in Europa kommt, wenn Deutschland einen klaren Akzent setzt und klarmacht, dass es seine eigenen Grenzen besser schützen kann."

Wie schon bei seinem Vorgänger im Amt, Horst Seehofer (71, CSU), folgte nach dem Asyl-Klartext inzwischen die Rolle rückwärts. Söder, dem immer wieder Ambitionen aufs Kanzleramt nachgesagt werden, stellt sich nicht mehr gegen Merkel. Stattdessen räumte er zuletzt ein: "Wir alle haben zur Verschärfung des Streits beigetragen – auch ich. Ich habe mich dann aber auch korrigiert."

Es sei ein Irrglaube gewesen, man könne auf die Art Wähler der AfD wieder für die Union zurückgewinnen. "Das war eine falsche Strategie. Es war eine Fehleinschätzung, die AfD nicht schon früher hart anzugreifen", wird der bayerische Landesvater in der Welt zitiert.

Angesichts dessen ist AfD-Frontmann Jörg Meuthen jetzt auf seiner Facebook-Seite der Kamm geschwollen. Dort attackiert er den "machthungrigen Herrn Söder" und vermutet: "Alles, was er vor gerade einmal zwei Jahren - also kurz vor der bayerischen Landtagswahl - in Sachen Asylpolitik äußerte, entsprach augenscheinlich nicht seiner Überzeugung, sondern diente einzig und allein dazu, abwanderungswillige CSU-Wähler über seine wahren Absichten in Sachen Migrationspolitik zu täuschen."

Meuthen: "Es ging um Wählerstimmen für seine CSU"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (links) und Bundesinnenminister Horst Seehofer. (Montage)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (links) und Bundesinnenminister Horst Seehofer. (Montage)  © Montage: Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa, Christoph Soeder/dpa

Seine Aussagen seien ein taktisches Manöver gewesen, "um potentielle Wähler unserer Bürgerpartei doch wieder dazu zu bewegen, ihr Kreuz wie in all den Jahren und Jahrzehnten bei der CSU zu machen."

Der 59-Jährige erbost sich: "Es ging also nicht um unser Land - es ging um Wählerstimmen für seine CSU und für sich selbst." 

Dafür habe Söder gegen seine eigenen Überzeugungen für die Wähler den markigen Konservativen gegeben, der mit einem entsprechenden bayerischen Wahlergebnis im Rücken angeblich für eine andere Asylpolitik in Berlin sorgen würde.

Jedoch: "Nichts ist geschehen in diese Richtung, gar nichts. Nach wie vor kann jeder, der es will, über die ungesicherte deutsche Grenze in unser Land kommen und unter Angabe des Zauberworts (Asyl, Anm. d. Red.) dauerhafte Alimentierung vom deutschen Steuerzahler einfordern."

Für Söder und seinen Amtsvorgänger (und jetzigen Bundesinnenminister) Seehofer hat Meuthen wenig schmeichelhafte Worte übrig: Beide sind in seinen Augen "rückgratlose Wendehälse, die vor wichtigen Wahlen mit stets folgenlosen, dafür umso großspuriger vorgebrachten Ankündigungen gegen Merkels Asylpolitik (...) versucht haben, den Wählern die konservative Wende zu suggerieren, die von so vielen in Deutschland herbeigesehnt wird."

Der AfD-Mann gibt zu bedenken: "Das wird mit einem rückgratlosen Karrieristen, der sich schon heute als Kanzler einer möglichen schwarz-grünen Koalition sieht, genauso wenig gelingen wie mit seinem Lehrmeister Drehhofer, der nach lautem bayerischen Gebrüll stets als bayerischer Bettverleger Merkels endete."

Titelfoto: Montage: Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa, Christoph Soeder/dpa,

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