Jüdischer Student mit Schaufel attackiert: AfD-Meuthen redet Klartext nach Angriff

Stuttgart/Hamburg - Bald ein Jahr nach dem judenfeindlichen Attentat in Halle mit zwei Toten gab es erneut eine brutale Attacke. Nun hat sich AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen (59) zu Wort gemeldet - und die Tat in scharfen Worten verurteilt.

Hamburg am Sonntag: Polizisten stehen nach dem Angriff vor der Synagoge.
Hamburg am Sonntag: Polizisten stehen nach dem Angriff vor der Synagoge.  © Jonas Walzberg/dpa

Wie berichtet geschah der jüngste Angriff am Sonntag im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel

Ein jüdischer Student war auf dem Weg zur Synagoge, trug die traditionelle Kippa auf dem Kopf. Dann soll ihn Grigoriy K. (29, Deutscher mit kasachischen Wurzeln) mit einem Klappspaten ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt haben.

Wie der Spiegel schreibt, trug der 29-Jährige während der Attacke eine Bundeswehr-Uniform, hatte einen Zettel mit aufgemaltem Hakenkreuz in der Hosentasche. Wie das Hamburger Magazin erfahren haben will, soll es bei K. Hinweise auf eine paranoide Schizophrenie geben. Verstrickungen in die rechtsextreme Szene gebe es demnach nicht.

Wieder ein Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland - klar, dass sich AfD-Mann Meuthen des Themas auf seiner Facebook-Seite annahm. In seinem jüngsten Posting verurteilte er die Tat scharf, forderte härtere Gerichtsurteile.

"Eine mögliche Schuldunfähigkeit des Täters ist das eine", schreibt der 59-Jährige am Dienstag, "aber selbige kann meine Abscheu darüber, dass es auf deutschem Boden für Bürger jüdischen Glaubens offensichtlich nicht möglich ist, ihrer Religion vollkommen selbstverständlich und angstfrei nachgehen zu können, nicht mindern".

Meuthen: "Schutz jüdischen Lebens reicht immer noch nicht aus"

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.
AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.  © Paul Zinken/dpa

Es sei offensichtlich, dass sich der Täter den Ort direkt vor der Synagoge und das kippatragende Opfer absichtlich ausgesucht habe. 

"Offensichtlich reicht der Schutz jüdischen Lebens, obwohl mehr dafür getan wird als noch in der Vergangenheit, immer noch nicht aus, und man wird sehr intensiv darüber nachdenken müssen, ob und wie man diesen Schutz noch engmaschiger gestalten kann."

Der prominente AfD-Politiker redet Klartext: "Diese schändlichen Angriffe müssen strikt unterbunden werden, und wo sie dennoch vereinzelt immer noch stattfinden, sind sie mit aller Härte zu bestrafen, sofern die Täter schuldfähig sind."

Den Richtern müsse endlich klar werden, dass ihre Urteile aus Sicht potentieller Nachahmer entweder abschreckenden oder verharmlosenden Charakter entfalteten. Er fordert: "Wir brauchen (und das bezieht sich im übrigen beileibe nicht nur auf antisemitische Gewalttaten) mehr Abschreckung durch Urteile im Rahmen des möglichen Strafmaßes!"

Und was nicht schuldfähige Täter angehe: "Es gehört zu den Aufgaben der Behörden, die Gefahr, die von einem psychisch schwerkranken Menschen für die Allgemeinheit ausgeht, ernstzunehmen, und auch das ist keineswegs auf die Vorbeugung antisemtischer Taten beschränkt."

Das hätte in Meuthens Augen den Angriff aus Hamburg möglicherweise verhindern können. Der Kampf gegen den "widerwärtigen, augenscheinlich zunehmenden Antisemitismus in Deutschland" dürfe nicht nur auf der Ebene des Objektschutzes geführt werden.

Der Politiker fordert: "Vielmehr müssen die Wurzeln dieses Antisemitismus offengelegt und ausgetrocknet werden."

Titelfoto: Montage: Jonas Walzberg/dpa, Paul Zinken/dpa

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