Kommentar zur AfD: Wird der "Flügel" nach seiner Auflösung die Partei übernehmen?

Für TAG24-Redakteur Florian Gürtler bedeutet die Auflösung des "Flügels" innerhalb der AfD nichts, solange die Rechtsextremisten nicht aus der Partei ausgeschlossen werden.

Der Verfassungsschutz hat die AfD-Gruppierung "Der Flügel" als rechtsextrem eingestuft und zum Beobachtungsfall erklärt.

Das Foto aus dem März 2019 zeigt den AfD-Politiker und "Flügel"-Anführer Björn Höcke.
Das Foto aus dem März 2019 zeigt den AfD-Politiker und "Flügel"-Anführer Björn Höcke.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Infolge dessen forderte der Bundesvorstand der "Alternative für Deutschland" am Freitag die Auflösung der Gruppierung um die beiden Anführer Björn Höcke (47) und Andreas Kalbitz (47).

Die seltsamen Reaktionen des "Flügels" auf diese Forderung lassen aufhorchen.

In Hessen gaben die rechtsextremen AfD-Politiker am Montag die Einstellung aller "Flügel"-Aktivitäten in dem Bundesland bekannt (TAG24 berichtete).

In dem Schreiben an die Anhänger der Rechtsaußen-Gruppierung in Hessen findet sich aber auch die merkwürdige Formulierung, dass der Beschluss des Bundesvorstandes der AfD vom Freitag als "ausgestreckte Hand in Richtung des Flügels" zu verstehen sei.

Diese seltsam anmutende Wortwahl passt zu den ebenfalls merkwürdigen Reaktionen von "Flügel"-Anführer Björn Höcke auf den Beschluss des AfD-Vorstandes.

Wie am Samstag bekannt wurde, sprach der Lehrer aus Hessen (der zugleich Chef der AfD in Thüringen sowie Fraktionsvorsitzender der Partei im Thüringer Landtag ist) davon, dass sich die AfD in den knapp fünf Jahren seit der Gründung des "Flügels" gut entwickelt habe, und dass nun ein Impuls notwendig sei, "der über den Flügel hinausweist und die Einheit der Partei betont".

Das rechtsextreme Netzwerk in der AfD wird bestehen bleiben

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Vor diesem Hintergrund sprach der Thüringer AfD-Chef auch davon, dass der "Flügel" seine "Historisierung" längst selbst in Angriff genommen habe.

Aus der Sicht eines Björn Höcke ist die "Historisierung" (die Geschichtswerdung) des Flügels als Gruppierung der AfD wohl so zu verstehen, dass man sich nicht länger als Gruppe in der Partei begreift, sondern die Partei als Ganzes zu repräsentieren wünscht. Hierauf deutet zumindest die Rede von besagtem "Impuls" hin, welcher die "Einheit der Partei" betonen soll.

Plant man beim "Flügel" nun also die Übernahme der gesamten AfD?

Fakt ist: Nur weil die AfD-Gruppierung sich auflöst, verschwinden deren – vom Inlandsgeheimdienst offiziell als Rechtsextremisten und Feinde der bestehenden freiheitlichen Verfassung eingestuften – Anhänger nicht aus der AfD. Hierfür müssten sie schon aus der Partei ausgeschlossen werden, doch davon war bislang nichts zu hören.

Auch die Kontakte der "Flügel"-Leute untereinander werden sich nicht einfach in Luft auflösen, ebenso wenig ihre rechtsextremistische Gesinnung – das Netzwerk bleibt also auch nach einer offiziell verkündeten Auflösung bestehen.

Die verbliebenen gemäßigteren Kräfte in der AfD sollten Aussagen von "Flügel"-Repräsentanten über "ausgestreckte Hände" und "Impulse" darum besser als Kampfansage verstehen.

Höcke, Kalbitz und ihre Leute werden ihr rechtsextremes Projekt weiter betreiben – und sie werden weiter versuchen, die AfD in ihrem Sinne zu beeinflussen. Auch eine Übernahme der kompletten Partei schließen sie dabei wahrscheinlich nicht aus.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa, Florian Gürtler

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