AfD-Fraktionschef ließ auch Sohn unberechtigt vorzeitig impfen!

Düsseldorf - Erst verharmlosen, dann vordrängeln: In der "Impf-Vordrängler"-Debatte ist AfD-Fraktionschef Markus Wagner (57) nach Impfungen von Familienangehörigen erneut in den Fokus gerückt.

In der AfD wird Corona häufig verharmlost: Der NRW-Fraktionschef Markus Magner (57) drängelte sich mit weiteren Familienangehörigen bei der Impfung aber vor.
In der AfD wird Corona häufig verharmlost: Der NRW-Fraktionschef Markus Magner (57) drängelte sich mit weiteren Familienangehörigen bei der Impfung aber vor.  © Federico Gambarini/dpa

Der NRW-Fraktionsvorsitzende hatte dem WDR bereits mitgeteilt, er und seine Frau seien geimpft worden.

Wagner ist geschäftsführender Gesellschafter einer Einrichtung der Eingliederungshilfe für psychisch Erkrankte im Kreis Minden-Lübbecke.

Nach Angaben des WDR-Politmagazins Westpol vom Sonntag bestätigte Wagner nun auch eine Impfung seines 16 Jahre alten Sohnes und seiner Schwiegermutter (81) in seiner Sozialeinrichtung.

Sein Sohn arbeite immer wieder in der Einrichtung mit, habe etwa mit Bewohnern gebastelt oder den Hausmeister unterstützt, zitierte Westpol den AfD-Politiker via Twitter.

Kein anderer Bewohner oder Mitarbeiter habe dadurch auf eine Impfung verzichten müssen.

Nach festgelegter Impfpriorität gehören 16-Jährige erst in die Gruppe vier, der Jugendliche wäre demnach noch längst nicht an der Reihe.

Ähnlicher Fall bei der FDP

Am Donnerstag hatte der FDP-Abgeordnete Ralph Bombis mitgeteilt, er lege alle politischen Ämter mit sofortiger Wirkung nieder und werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren.

Er und seine Frau waren wegen ihrer Arbeit bereits geimpft worden. Bombis führt drei Senioren- und Pflegeheime. Die aktuelle Impfverordnung sieht weder Strafen noch Bußgelder für "Vordrängler" vor.

Wagner war für eine dpa-Anfrage zunächst nicht zu erreichen. Ob der AfD-Politiker Konsequenzen ziehen wird, bleibt offen.

Update, 15.18 Uhr: Stellungnahme von Wagner

Wagner sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, er führe die Einrichtung seit langem mit seiner Frau - und auch sein Sohn arbeite immer wieder mit und habe dort soziale Kontakte.

Er habe mit Bewohnern Spiele gespielt oder "Bewohner mit dem Therapiehund begleitet". Der Junge solle in den "Familienbetrieb hineinwachsen". Ob der Kontag des 16-Jährigen auch während der Corona-Pandemie bestand, blieb offen.

Er lege Wert darauf, Bewohner und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen, betonte Wagner auf dpa-Anfrage.

Am Tag der Impfung sei die Impfmenge lange nicht ausgeschöpft gewesen, so dass auch seine 81-jährige Schwiegermutter immunisiert werden konnte, außerdem einige Feuerwehrleute. Dadurch sei aber "niemandem eine Impfung vorenthalten" worden.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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