Zeitung legt ausgiebige AfD-Werbung bei und kassiert heftigen Shitstorm

Konstanz - Riesenwirbel um den Südkurier: In der Ausgabe vom Mittwoch wurde eine ausgiebige AfD-Werbung beigelegt.

In einer Ausgabe des Südkuriers wurde ausgiebige AfD-Werbung beigelegt.
In einer Ausgabe des Südkuriers wurde ausgiebige AfD-Werbung beigelegt.  © Patrick Seeger dpa/lsw

Dafür erntete die regionale Zeitung mit Sitz in Konstanz mächtig Kritik.

Unter anderem meldete sich Satiriker Jan Böhmermann (40) zu Wort, der auf Twitter schrieb: "Die rechtsextreme Fake-News-Beilage des Südkuriers heute – gestaltet wie eine redaktionelles Extrablatt. Print ist nicht tot, sondern einfach nur bewusstlos."

"Verantwortungsvolle Verleger lehnen den Druck einer AfD-Wahlzeitung voller Fake-News ab, die Lokalzeitung Südkurier in Konstanz legt sie der eigenen Auflage bei und verdient lieber ihr Geld damit. Habt ihr sie noch alle?", fragte Journalist Michael Lünstroth ebenfalls auf Twitter.

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Manch einer zog sogar direkt Konsequenzen.

So verkündete das Konstanzer Restaurant "Heinrich - essen & trinken", dass man für ihre drei Betriebe die Abos gekündigt habe.

Jan Böhmermann kritisiert die AfD-Beilage im Südkurier

War der Südkurier zur Wahlwerbung verpflichtet?

Und der Südkurier?

Bei der Regionalzeitung verwies man laut meedia.de auf den abgedruckten Hinweis auf Seite eins: "Für die Inhalte der Beilage, die in den Lokalausgaben Konstanz und Radolfzell veröffentlicht wurde, trägt der AfD Kandidat Thorsten Otterbach die Verantwortung (s. Impressum der Beilage). Darauf haben wir unsere Leserinnen und Leser in prominenter Platzierung auf der Titelseite der genannten Lokalausgaben hingewiesen."

Zudem äußerte sich Christian Wulf, Leiter Marketing und Agenturen beim Südkurier. Er sagte gegenüber meedia.de: "Der Inhalt von Wahlwerbung spiegelt nicht die Haltung unseres Verlags wider. Die Beilage ist nicht Teil der Berichterstattung des Südkurier." Weiter sagt er: "Eine Demokratie hat viele Stimmen und Meinungen. Einige davon sind schwer zu ertragen. Was in unserer politischen Landschaft legitimiert ist und was nicht, darüber wachen unsere Staatsorgane."

Fakt ist allerdings, dass der Südkurier im Gegensatz zum Rundfunk nicht verpflichtet ist, Parteien Wahlwerbung zu ermöglichen, weshalb der Fall rund um die AfD-Beilage einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Titelfoto: Patrick Seeger dpa/lsw

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