Bürgermeister von Gera will über Amt von neuem AfD-Stadtratsvorsitzenden wachen

Gera - Die Wahl des AfD-Politikers Reinhard Etzrodt an die Spitze des Geraer Stadtrates hat eine Welle der Kritik und Empörung ausgelöst. In der Stadtverwaltung ist sogar von einem "Shitstorm" die Rede. 

Blick auf das Rathaus der Stadt Gera.
Blick auf das Rathaus der Stadt Gera.  © Jörg Carstensen/dpa

Nach der Wahl des 69-Jährigen zum Vorsitzenden des Geraer Stadtrates will Oberbürgermeister Julian Vonarb (48) nun strikt darüber wachen, dass das Amt neutral und unparteiisch ausgeübt wird. 

Er als Oberbürgermeister und der Stadtrat selbst hätten verschiedene Möglichkeiten, den jeweiligen Sitzungsleiter zu reglementieren, wenn er seiner Aufgabe nicht gerecht werde oder versuche, seine Kompetenzen zu überschreiten, betonte der parteilose Kommunalpolitiker.

"Viele Menschen dieser Stadt werden in ein falsches Licht gerückt", sagte er und verwies etwa auf die Kunst- und Kulturszene mit Angehörigen vieler Nationalitäten. Er sprach dazu von einem "Shitstorm", in dem Gera als "Nazi-Stadt" tituliert worden sei.

Wahl von Etzrodt als Folge eines tiefgreifenden Strukturwandels

Den Grund für die hohe Zustimmung für die AfD in Gera sieht er weniger in rechtsextremen Einstellungen, sondern vielmehr als Folge des tiefgreifenden Strukturwandels. 

"Viele Menschen haben den Eindruck: Man hat uns vergessen, die Politik ist nicht für uns da." Allerdings gebe es etliche Aufbruchsignale, etwa die Ansiedlung neuer Unternehmen wie Amazon und Bauerfeind, aber auch Initiativen wie die Bewerbung als Mobilitätszentrum und den Zuschlag als Modellstadt Smart City.

Vonarb selbst hatte in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt vor zwei Jahren als unabhängiger Kandidat verhindert, dass ein AfD-Mann den Chefsessel im Rathaus erklimmt.

Die Wahl Etzrodts hatte für massive Empörung beim Internationalen Auschwitz Komitee und der Mobilen Beratung gegen Rechts gesorgt. Auch Linke, SPD und Grüne kritisierten, dass bei der geheimen Wahl andere Parteien die AfD unterstützt hätten. Die Landes-CDU versicherte, den AfD-Kandidaten nicht gewählt zu haben. 

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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