Nach Vergleich von Corona-Impfstoff mit Zyklon B: AfD schließt Mitglied aus

Wien/Rosenheim - In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist es zu einem widerwärtigen Vorfall gekommen. Die Polizei ermittelt gegen Stefan Bauer, AfD-Aktivist und Verschwörungstheoretiker.

Ein Mahnmal in Form von Stacheldraht ist im ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Mauthausen zu sehen.
Ein Mahnmal in Form von Stacheldraht ist im ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Mauthausen zu sehen.  © Harald Schneider/APA/dpa

Wie ein Sprecher der Polizei gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, wird gegen den Mann aus Bayern ermittelt, weil er am Samstag in der Gedenkstätte ein Video gedreht und darin die Impfstoffe von AstraZeneca und Biontech/Pfizer mit Zyklon B - also dem tödlichen Gas, mit dem die Nazis während des Dritten Reichs systematisch Menschen umbrachten - verglichen haben soll.

Ein Clip, der unter anderem auf Twitter verbreitet wird, zeigt das AfD-Mitglied in dem ehemals größten Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf österreichischem Gebiet. Wörtlich sagt Bauer in dem Video: "Wir brauchen kein neues Zyklon B, sei es als AstraZeneca oder als Biontech."

Zudem hoffe er nicht, "dass irgendjemand vorhat, hier wieder Konzentrationslager einzurichten, auch nicht für Leute, die die Impfung verweigern oder die sich nicht testen lassen wollen".

Noch vergangenes Jahr war Bauer Vorstandsmitglied der AfD im Landkreis Rosenheim. Mittlerweile taucht er nicht mehr auf der Homepage des Kreisverbandes auf.

KZ-Gedenkstätte Mauthausen und Innenministerium bestürzt über Vorfall

Eine Dosis mit dem Covid-19-Pfizer-Biontech-Impfstoff steht neben einer Spritze auf einem Tisch im Impfzentrum.
Eine Dosis mit dem Covid-19-Pfizer-Biontech-Impfstoff steht neben einer Spritze auf einem Tisch im Impfzentrum.  © Sina Schuldt/dpa

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen teilte mit: "Meinungsfreiheit hört [...] dort auf, wo die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost und historisch unhaltbare Vergleiche zum NS-Terrorregime gezogen werden. Diesen Missbrauch des Ortes lehnen wir entschieden ab. Das Video wurde bei den zuständigen Stellen zur Anzeige gebracht."

Österreichs Innenminister Karl Nehammer (48) zeigte sich bestürzt über den Vorfall.

"Der Vergleich des Covid19-Impfstoffs mit dem Gift Zyklon B, das Millionen von Menschen den Tod gebracht hat, ist nicht nur das Verbreiten von Verschwörungstheorien, sondern widerwärtig und kriminell", so der ÖVP-Politiker. "Wir sehen hier eine Form des Geschichtsrevisionismus, die dazu beiträgt, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren und zu verharmlosen."

Bei den Corona-Demonstrationen am Samstag in Wien waren laut Innenministerium AfD-Aktivisten beteiligt. Es gab drei Anzeigen und zwei Festnahmen nach dem Verbotsgesetz.

Update 13.33 Uhr: AfD schließt Mitglied nach Video aus

Die bayerische AfD hat Stefan Bauer nach dessen Video von der KZ-Gedenkstätte ausgeschlossen.

"Nach Bekanntwerden eines Videos, das von einem AfD-Mitglied auf dem Gelände der Gedenkstätte des KZ Mauthausen gedreht wurde und dessen Inhalt auf anstößige Weise Vergleiche der NS-Zeit mit heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten anstellt, hat der Vorstand der AfD Bayern umgehend beschlossen, das besagte Mitglied aus der Partei auszuschließen und die Sache dem Landesschiedsgericht Bayern übergeben", teilte der AfD-Landesverband am Dienstag mit.

Vize-Landeschef Gerd Mannes sagte dazu, bei der Aufnahme von Mitgliedern könne keine Partei in den Kopf eines Menschen schauen. "Umso resoluter haben wir als Vorstand reagiert, als besagtes Video erschienen ist." Man habe schnell und konsequent gehandelt.

"Wir distanzieren uns von jeglichen Vergleichen und missbräuchlicher Verwendung von Begriffen oder Begebenheiten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Solche Verbalentgleisungen stehen im Widerspruch zu unserem Parteiprogramm und unserer freiheitlich-demokratischen Grundausrichtung", erklärte Mannes.

In Mauthausen und seinen 49 Außenlagern waren zwischen 1938 und 1945 etwa 200.000 Gefangene schlimmsten Qualen und Erniedrigungen ausgesetzt. Rund 100.000 Menschen starben. Das Ziel der Nazis war die Vernichtung der Insassen durch Arbeit speziell in den Steinbrüchen des Lagers.

Titelfoto: Harald Schneider/APA/dpa

Mehr zum Thema AfD:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0