Stimmen verloren und doch gewonnen: AfD wurde durch CDU-Schwäche stark

Dresden/Chemnitz - Die sächsische AfD gilt als ein Gewinner der Bundestagswahl - doch tatsächlich haben die Rechtspopulisten im Freistaat sogar Stimmen verloren. Ihre Spitzenposition verdankt sie vor allem der schwächelnden CDU. Dadurch konnten die Rechten viele Wahlkreise gewinnen, ohne in der Wählergunst zuzulegen.

Die sächsische AfD konnte mit ihrem Wahlkampf ihre Wähler zwar behalten, doch kaum neue gewinnen.
Die sächsische AfD konnte mit ihrem Wahlkampf ihre Wähler zwar behalten, doch kaum neue gewinnen.  © dpa/Martin Schutt

Rund ein Viertel der Sachsen hat am Sonntag blau gewählt: Die AfD kommt bei den vorläufigen Ergebnissen auf 24,6 Prozent der Zweitstimmen - damit liegt sie rund fünf Prozent vor der zweitplatzierten SPD (19,3 Prozent) und sogar gut sieben Prozent vor der CDU (17,2 Prozent). Dabei hat die AfD seit 2017 sogar 2,4 Prozent der Zweitstimmen verloren - doch bei der CDU liegt der Verlust bei 9,7 Prozent.

Auch bei den Erststimmen hielt die AfD in etwa ihre Werte von 2017, während die CDU auf Talfahrt ging. Die Union konnte zwar in Dresden I, Dresden II und im Leipziger Norden noch knappe Siege einfahren, doch im ländlichen Raum gewann sie nur den Vogtlandkreis. Der Rest des ländlichen Sachsens - und damit zehn der 16 Wahlkreise - ging an die AfD.

Besonders deutlich wurde die Trendwende im Wahlkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge. Dort ließ AfD-Kandidat Steffen Janich (50) mit 33 Prozent der Erststimmen seine CDU-Konkurrentin Corinna Franke-Wöller (48) um rund 14 Prozent hinter sich.

AfD-Landesparteitag will neuen Landesvorstand wählen
AfD AfD-Landesparteitag will neuen Landesvorstand wählen

Die Unions-Politikerin sieht das Problem beim Bundes-Wahlkampf ihrer Partei: "Ich glaube, die ländliche Bevölkerung hat Angst, dass das Klimawandel-Thema auf ihren Kosten ausgetragen wird." Für AfD-Mann Janich hat sich die CDU mit den Corona-Maßnahmen unbeliebt gemacht: "Wir haben hier eine sehr sensible Wählerschaft, gerade was die Maskenpflicht betrifft."

CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (33) bezeichnete den Wahlausgang für die Union als Debakel, Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) übte scharfe Kritik an seiner Partei. Die konservative Werteunion teilte mit: "In Anbetracht des desaströsen Wahlergebnisses der Sächsischen Union bei der Bundestagswahl ist eine ehrliche Aufarbeitung der Ursachen notwendig."

Doch auch bei der AfD herrscht nicht nur Grund zur Freude: Da sie im Freistaat so viele Direktmandate geholt hat, gehen keine Mandate mehr an die Landesliste. Dadurch verlieren führende sächsische AfD-Politiker wie Jens Maier (59) und Siegbert Droese (52) ihren Sitz im Bundestag.

Im Sturzflug: Die CDU mit Spitzenkandidat Armin Laschet (60) hat in Sachsen viele Stimmen verloren.
Im Sturzflug: Die CDU mit Spitzenkandidat Armin Laschet (60) hat in Sachsen viele Stimmen verloren.  © dpa/Peter Gercke
AfD-Kandidat Steffen Janich (50) konnte in der Sächsischen Schweiz ein Drittel der Wähler überzeugen.
AfD-Kandidat Steffen Janich (50) konnte in der Sächsischen Schweiz ein Drittel der Wähler überzeugen.  © Daniel Förster
Corinna Franke-Wöller (48, CDU) belegte in ihrem Wahlkreis Sächsische Schweiz nur den zweiten Platz.
Corinna Franke-Wöller (48, CDU) belegte in ihrem Wahlkreis Sächsische Schweiz nur den zweiten Platz.  © Daniel Förster
In Sachsen gab es am Sonntag deutlich mehr Kreuze für die AfD als für die CDU.
In Sachsen gab es am Sonntag deutlich mehr Kreuze für die AfD als für die CDU.  © Daniel Förster

Politik-Professor: "AfD hat ihr Potenzial ausgeschöpft"

Politikwissenschaftler Eric Linhart (45)
Politikwissenschaftler Eric Linhart (45)  © dpa/Uwe Meinhold

Mehr geht nicht: Die AfD ist laut dem Chemnitzer Politikwissenschaftler Eric Linhart (45) auf ihrem Zenit. "Die AfD hat ihr Potenzial ausgeschöpft, aber das Potenzial, das sie hat, hält sie auch weitgehend", sagte der Professor an der Technischen Universität Chemnitz im Hinblick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Das gelte auch für den Osten, wenngleich hier auf einem viel höheren Niveau als auf Bundesebene. "In Sachsen kann sie seit Längerem 25 Prozent abrufen. Wenn die Union schlechter abschneidet, lässt das die AfD stärker erscheinen." Das bedeute aber nicht, dass die AfD stärker geworden ist, sondern die Union schwächer, betonte Linhart, Inhaber der Professur "Politische Systeme" am Institut für Politikwissenschaft der TU Chemnitz.

Der Absturz der Linken auch auf Bundesebene kommt für Linhart nicht überraschend: "Viele ostdeutsche Wähler, die die Linke eher als Ost-Partei betrachteten, sind schon vor einer ganzen Weile zur AfD übergelaufen."

Titelfoto: Montage: dpa/Martin Schutt, dpa/Peter Gercke

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